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Carambola

Chico O'Farrill

Milestone/ZYX 0 25218 9308 2 6
(66 Min., 7/2000) 1 CD

Chico O'Farrill wird diesen Sommer achtzig. Dass er überhaupt noch aktiv ist, wäre alleine schon Grund zum Feiern. Aber dass er mit seinem dritten Milestone-Album (nach zuvor dreißig Jahren Plattenpause) gleich eine der stärksten Sammlungen seiner Laufbahn vorlegt, war nicht unbedingt zu erwarten.
Obwohl die Musik so gar nichts Morbides an sich hat, vielmehr vor Vitalität strotzt, spricht viel für die These, dass die nun vollendete Trilogie aus "Pure Emotion", "Heart Of A Legend" und "Carambola" als eine Art klingendes Testament angelegt ist: Auf ihr lässt O'Farrill noch einmal seine besten Kompositionen aus einem halben Jahrhundert Revue passieren - als Fassungen letzter Hand, in optimalen Interpretationen und unter kundiger Stabführung seines Sohnes Arturo, Jr.
So kommt es, dass O'Farrill zum fünfzigjährigen Jubiläum seiner ersten "Afro Cuban Jazz Suite" (enthalten auf "Cuban Blues") das Werk ein zweites Mal einspielen konnte. Wenn an Stelle Charlie Parkers nunmehr Mario Rivera das Altsaxofonsolo bläst, ist das in diesem Fall sogar ein Gewinn für die idiomatische Stimmigkeit der Musik. Digitales Stereo (bei fehlendem Kratzen der alten Matrizen) ist für die Durchhörbarkeit des viertelstündigen Werks ohnehin von Vorteil. Bei der Gelegenheit nahm sich O'Farrill gleich noch der ebenso umfangreichen "Aztec Suite" an, deren erste Realisation mit Art Farmer (United Artists, 1959) nicht in seinem Sinne erfolgt war.
Angesichts solcher Hauptwerke nehmen sich die neun anderen Stücke wie kurzweiliges Füllmaterial aus. In der Tat erinnern sie an die Frühphase von O'Farrills Karriere, in der er ein beliebtes Tanzorchester leitete, dessen zündende afro-kubanische Rhythmen Latin-Musik stärker popularisieren halfen, als es jedes mit noch so wohlwollenden Kritiken bedachte Konzert in New Yorks Carnegie Hall vermocht hätte.

Mátyás Kiss, 01.03.2001



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