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Oregon In Moscow

Oregon

Intuition/SMD 7 50447 33032 0
(91 Min., 6/1999) 2 CDs

Angespornt vom künstlerischen und kommerziellen Erfolg von "Northwest Passage" fanden die Mitglieder von Oregon den Mut zu einem Projekt, das sie sowohl zu ihren Wurzeln zurückführen als auch eine anspruchsvolle Dokumentation von Höhepunkten ihrer bislang dreißigjährigen Arbeit bilden sollte. Nun liegt es nach zahlreichen, im Begleitmaterial nachzulesenden Irr- und Umwegen vor.
Die Initiative für die Zusammenarbeit mit dem Moskauer Tschaikowsky-Sinfonieorchester ging von der Band aus. Der Komponist des jeweiligen Stücks (meistens ist es Ralph Towner) war auch für die Orchesterarrangements der Oregon-Klassiker - dies im doppelten Wortsinn - verantwortlich. Diese entstanden im Laufe der Jahre für unterschiedliche Anlässe, von denen es jedoch keine Aufnahmen gibt. Welcher Jazzer - geschweige denn selbsternannte "Weltmusiker" - wäre dazu rein handwerklich in der Lage? Eben diese solide Ausbildung in Theorie und Praxis - etwa der Handhabung einer Reihe von im Jazz sonst nicht heimischen Blasinstrumenten wie Oboe und Englischhorn durch Paul McCandless - hat die aus dem Paul-Winter-Consort hervorgegangene Gruppe von vorneherein zu etwas Besonderem gemacht; Towners "Icarus", lange Zeit Winters Erkennungsmelodie, durfte natürlich auch hier nicht fehlen.
Die Doppel-CD folgt dem Ablauf eines klassischen Konzertabends: Die zwei Teile werden gelegentlich durch rein kammermusikalische oder solistische Intermezzi aufgelockert. Nur selten, so gleich beim einleitenden "Round Robin", kippen die äußerst unterschiedlichen Instrumentierungen ins Amerikanisch-Kitschige ab. Meist dominieren pastorale Klänge im Adagio-Tempo, das sich anlässlich eher melancholischer Wechselspiele zwischen Soli und Tutti zum Andante beschleunigt. Bis auf ein formal offenes, interaktives Stück für vier Solisten und Orchester, das Ideen von Stockhausen ("Klavierstück XI") und Lutoslawski ("Jeux venétiens") folgt, verlassen selbst die Improvisationen nicht den Kreis des in der klassischen Tradition Schicklichen: Erst Beethoven begann damit, die ursprünglich spontan erfundenen Solokadenzen systematisch auszukomponieren. Im fast schon schmerzhaft schönen "Beneath an Evening Sky" etwa werden die berühmten Anfangsakkorde von Towners Gitarre von den Streichern aufgegriffen, die damit seine nun folgende Improvisation grundieren.
Dank der vorzüglichen Instrumentalleistungen aller Beteiligten konnten die Produzenten auf nachträgliche Kosmetik verzichten, und auch das exorbitante Klangbild mit dem natürlichem Nachhall des Aufnahmeorts schmeichelt den Gehörgängen.

Mátyás Kiss, 24.08.2000



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