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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Joseph Haydn

Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze. Vokalfassung

Inga Nielsen, Gabriele Schreckenbach, Hill, Matthias Hölle, Kammerchor Stuttgart, Württembergisches Kammerorchester Heilbronn, Frieder Bernius

Hänssler Profil/Naxos PH 05050
(58 Min.) 1 CD

Es ist eine äußerst theatralische Musik mit der Joseph Haydn der Befürchtung begegnet, er könne die Gläubigen langweilen, anstatt - wie vorgesehen - bei Laune zu halten, während der Bischof am Altar still betet. "Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten", hat Haydn selbst dazu geäußert. Bis heute im Bewusstsein ist die Streichquartettfassung, die Haydn ein Jahr nach der originalen Orchesterfassung veröffentlichte. Schon 1794 richtete der erzbischöfliche Kapellmeister von Passau, Joseph Friebert, eine oratorische Fassung ein. Haydn davon offenbar recht angetan, äußerte aber: "Die Singstimmen hätte ich, glaube ich, besser gemacht." Gott sei Dank tat er dann genau dies; bei den zu unterlegenden Texten half Baron van Swieten. Herausgekommen ist ein eigenständiges, organisch sich entwickelndes Oratorium, das gleichwohl den klanglich bescheidenen Karfreitags-Charakter im Wesentlichen beibehält. Was vom Chor eine Menge an differenzierter Klangtechnik und wirkungsvoller Gestaltung verlangt, die nicht durch lautstarkes Auftrumpfen erreicht werden darf. Der Kammerchor Stuttgart unter Leitung von Frieder Bernius zeigt hierin erstaunliches Feingefühl und Disziplin, und auch wenn die Soprane oft zu ebenmäßig, zu gleichförmig erscheinen, oft auch metrisch etwas starr, so zeigt sich durchgehend ein stimmiger Gesamtklang, ein perfekter Ausgleich von Unter- und Oberstimmen. Selbst die Solisten fügen sich hier klanglich bestens ein. Gleiches gilt für das begleitende Württemberger Kammerorchester Heilbronn, das sich nie in den Vordergrund spielt und doch immer stabil präsent ist. Und so entstehen immer wieder selige Klanginseln, mitunter in scheinbar ungebunden freier Harmonik an Bruckner erinnernd, letztlich jedoch immer eingebunden in einen lyrisch-dramatischen Erzählzusammenhang. Dirigent Frieder Bernius hätte ein bisschen mehr Mut zeigen können, um die dramatische Seite hervorzuheben und metrisch-rhythmische Züge hineinzubringen.

Helmut Mauró, 11.03.2006



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