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Joseph Haydn

Fünf Klaviersonaten

Fazil Say

Naïve/harmonia mundi V 5070
(58 Min., 6/2006) 1 CD

Der Mann legt los! Ein Allegro con brio, das seinen Namen verdient und das den Zuhörer nicht mehr loslässt, steht am Anfang dieser CD. Der türkische Pianist Fazil Say ist dabei, sich eine Diskografie mit den großen klassischen Namen zusammenzubasteln, nun steht also Joseph Haydn auf dem Programm, der unter den Sonatenkomponisten immer ein bisschen unter "ferner liefen" gehandelt wird, und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern lassen, denn allzu viele große Pianisten sind bei der Popularisierung seiner Kleinode nicht über lobende Anerkennung (von Seiten des Publikums) hinausgekommen. Nun also Say, und wir müssen doch wieder einmal aufhorchen und uns erstaunen lassen. Nach dem sorglosen Allegro einfach ein schweres Largo e sostenuto zu komponieren, von Say mit einer langsamen, ausformulierenden und doch nicht schleppenden Tragik inszeniert, das hat schon Chuzpe. Das forsche Finale wiederum steht in großartigem Kontrast, ohne den Rahmen zu sprengen – Say zeigt uns humorvoll, dass es alles nicht so tragisch gemeint war, in der Sonate D-Dur Hob. XVI Nr. 37. Alles atmet Klarheit, nachsichtige Strenge, Heiterkeit. À propos inszenieren: Ein bisschen spielt Say mit gezinkten Karten. Er scheut sich nicht, die Verzierungen recht frei zu handhaben und abzuwandeln, ja gelegentlich schreibt er dem Papa Haydn in die Noten, wie man es noch etwas besser hätte würzen können, etwa, wenn er im ersten Satz der Sonate C-Dur Hob. XVI Nr. 35 am Ende der Durchführung noch zwei launige Spielfiguren einfügt, die die erwartete Reprise des Themas hinauszögern. Verzeihlich, unhistorisch sowieso nicht (schließlich ging man zu Haydns Zeiten noch viel unbesorgter an den Notentext heran) und irgendwie sehr reizvoll.

Matthias Reisner, 26.05.2007



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