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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Modest Mussorgski

Bilder einer Ausstellung Orchesterfassung (Ravel) und Originalfassung für Klavier

Yefim Bronfman, Berliner Philharmoniker, Carlo Maria Giulini

Music For You/Sony 5 099708 961527
(68 Min., 2/1990, 6/1990) 1 CD

Das Bild zur "Ausstellung" ist einmal poetisch. Was habe ich oft gelästert über unmögliche Coverfotos. Dies hier ist wirklich schön. Und die "Ausstellung"? Nun, beim ersten Durchgang wundert man sich ein wenig über gemächliche Tempi, über Carlo Maria Giulinis Neigung, innezuhalten, zu zerfasern und Bewegungsenergie entweichen zu lassen. Aber zugleich staunt man über die unglaubliche Geschliffenheit, mit der die Berliner Philharmoniker das 1990 gespielt haben. Details dieser scheinbar bis in die letzte Stimme bekannten Orchestrierung Ravels treten auf einmal hervor als bezaubernder kleiner Farbfleck oder Lichtreflex.
So bekam ich Lust, die Ausstellung erneut zu besuchen. Schon nahm Don Carlo Maria mich an die Hände wie ein bedächtiger alter Kustos, der sehr gerne stehen bleibt und etwas erklärt. "Alle anderen gehen hier viel zu geschwind durch", sagt er. "Warum immer dieses schreckliche Tremolo im Bardengesang des "Alten Schlosses"? Mein Saxofonist hier spielt das recht grade. Aber warten Sie, hier diese herrliche Klarinettenkantilene im Mittelteil der "Tuileries", bezaubernd, nicht wahr? Die muss singen! Und das Crescendo in dieser wunderbaren Glocken-Imitation im "Tor", das bringen andere viel zu früh, zu grob. Diesen jubelnd aufschwingenden Sechzehntellauf, den hat übrigens Herr Ravel hineingemalt, auch diese Dissonanz hier." Habe ich das schon einmal so bewusst gehört? "Es war ganz wunderbar mit Ihnen, Signore Giulini, darf ich wiederkommen?" "Jederzeit!"
Schon steht da ein jüngerer Herr, dem ich nicht recht konzentriert zuhören konnte. Aber eh ich jetzt Takt für Takt aufzähle, warum Yefim Bronfmans Klavierfassung von Mussorgskis Zyklus allenfalls lauer Durchschnitt ist (hören Sie bitte Swjatoslaw Richter!), geh ich lieber noch einmal mit Don Carlo durch die Orchesterbilder dieser erlesenen Wiederveröffentlichung.

Matthias Kornemann, 23.04.2001



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