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Modest Mussorgski

Bilder einer Ausstellung (Urtext- Fassung von 1874), Literarische Annäherungen mit Texten von Platon, Dante, Oswald von Wolkenstein, Heine, Hugo, Busch, Kafka und Jelinek

Lars Vogt, Konrad Beikircher

EMI 5 57299 2
(73 Min., 7/2001) 1 CD

Natürlich war das bei den heutigen verkaufsstrategischen Vorgehensweisen längst dran, eine "literarische Annäherung" an Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung". Erstaunlich aber, dass diese Annäherung von Konrad Beikircher geleistet wird, den man doch landläufig eher in eine geistvoll-selbstverliebte Unterhaltungsschublade einzuordnen pflegt. Erstaunlicher noch, wie großartig er das macht, artikulatorisch bestechend, atmosphärisch treffend in den Prosatexten wie in der Lyrik. Und da spricht er doch immerhin Hugo, Kafka oder Dante ebenso wie Heine oder - ein Glanzstück - Henry Jelinek.
Neben den oft überraschend einleuchtenden Text/Bild-Assoziationen fallen kurze Volkshochschulexkurse kaum ins Gewicht. Überraschend, dass sich die gesprochenen Texte zuerst ins Ohr setzen? Lars Vogt will dem vielgespielten Werk seine ureigene Interpretationsnote verleihen, und das gelingt nur stellenweise, vermittelt vielmehr oft den Eindruck von Distanz. Technisch ist alles makellos, aber Vogts Manier, Verzögerungen zur Ausdrucksvertiefung einzusetzen, führt oft zu musikalischem Stillstand.
Hier wird ein Museumsbesucher nicht von der manchmal kindlich verspielten, manchmal tiefgründigen Bilderreihe ergriffen, steht nicht wie bei Swjatoslaw Richter voller Staunen und schließlich von Pathos überwältigt da. Lars Vogt ist der Museumsbesucher, der mit der Nase so dicht an das Bild herangeht, die Machart untersuchend, dass er vom Aufseher zurückgerufen werden muss.

Matthias Kornemann, 21.03.2002



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