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Johann Sebastian Bach

Partiten für Violine solo h-Moll und d-Moll (BWV 1002 und 1004)

Oleg Kagan

Live Classics/Note 1 LCL 171
(62 Min., 12/1978) 1 CD

Oleg Kagan (1947-1990), Studienkollege von Gidon Kremer und Josef Rissin, war musikalisch und technisch ohne jeden Zweifel einer der außergewöhnlichsten Geiger unserer Zeit. Der aus dem Fundus seiner Frau, der Cellistin Natalia Gutman, stammende Konzertmitschnitt (Moskau, 1979) zweier Bachscher Partiten bestätigt diesen Anspruch vollauf. Die motorischen Sätze wirken gespannt, energiegeladen, mit Vehemenz und Konzentration geformt. Bei den Tanzsätzen vermag er deren gleichsam körperliche Dynamik mit den Abstrahierungsabsichten hin zu “purer” Musik zu vereinen.
Kagans fast durchweg vibratoloser Ton hat nichts mit blutleerem Historisieren gemein; vielmehr nimmt der Interpret das Wagnis auf sich, durch die auf nackte “Träger-Substanz” reduzierte Tongebung musikalische Strukturen hörbar und erlebbar zu machen. Das bedeutet indes keinen Verzicht auf “persönliche Stellungnahme”. Es scheint vielmehr wie der Balanceakt, mit dem Wissen um die Unerreichbarkeit dieser Musik dennoch eine größtmögliche Annäherung zu erreichen.
Kagan muss die Chaconne nicht “groß” spielen, nicht durch Übertreibungen attraktiv machen. Durch zeitliches Dispositionsvermögen und grenzenlos scheinendes spieltechnisches Potential entrollt er sie vor unseren Ohren und verschafft ihr damit zwingende Eigenwirkung. Wenn das beschließende “d” erklingt, stellt sich so etwas wie ein Erlösungseindruck ein.

Wolfgang Wendel, 01.12.1999



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