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Witold Lutosławski, Karol Szymanowski

Klavierkonzerte

Ewa Kupiec, Bamberger Symphoniker, James Judd

Koch Classics 3-6414-2
(49 Min.) 1 CD

Wenn es so etwas wie einen polnischen Klangduktus in der Musik des 20. Jahrhunderts gibt, so liegt er in der Verknüpfung von impressionistischen mit expressiven Gesten. Diesen Eindruck erzeugen zumindest die beiden hier eingespielten Werke, die knapp sechzig Jahre auseinanderliegen und zu ganz anderer politischer wie auch musikgeschichtlicher Zeit entstanden sind: Karol Szymanowskis Sinfonie Nr. 4 op. 60 für Klavier und Orchester von 1932 und Witold Lutoslawskis einziges Klavierkonzert von 1988. Beide Kompositionen sind Spätwerke – Szymanowski starb 1937, Lutoslawski 1994.
Die polnische, in Deutschland lebende Pianistin Ewa Kupiec hat eine wunderbar kraftvolle und trotzdem nuancierte Phrasierung. Sie agiert mit Präsenz und Einfühlungsvermögen, gleich, ob sie solistisch im Vordergrund steht, wie in der Kadenz am Ende des ersten Satzes von Szymanowskis Opus 60, oder in den Gesamtklang eingebettet ist, wie im kammermusikalischen Beginn des zweiten Satzes dieses Werks. Man hört, dass sie nicht nur Solistin ist, sondern auch routinierte „Begleiterin“ und Kammermusikerin. Die Bamberger Sinfoniker unter James Judd zeigen sich als flexibler Klangkörper, der die gebrochenen Gesten dieser Werke beeindruckend darzustellen vermag. Der einzige Mangel dieser CD ist die polemische Werkeinführung im Beiheft. Die Qualität dieser beiden Kompositionen liegt nicht im Abstand zur Avantgarde ihrer Zeit.

Thomas M. Maier, 30.06.1996



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