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Franz Liszt

Klaviersonate h-Moll u.a.

Mikhail Pletnev

Deutsche Grammophon/Universal 457 629-2
(67 Min., 12/1997) 1 CD

Wer Liszt nie mochte, wird bei Mikhail Pletnjew Bestätigung finden, wird leeren Klanggesten begegnen und erkünsteltem Pathos. Und die ewigen Verfechter des Originalitätskrampfs werden wieder einmal die “Interessantheit” dieser Vorstellung loben dürfen.
Die h-Moll-Sonate zerfällt in eine lose Folge bedeutungsheischend ausformulierter Fragmente. Schon das achttaktige Thema mit dem “Hammerschlag-Motiv” wird mittels gewollter Zäsuren gevierteilt. Dieses Aus-den-Fugen-Bringen allein wird zum Deutungsziel. Kommt Liszt in epischen Schwung, reißt Pletnjew eine Naht auf mit einer Zäsur oder einem auffälligen Rubato, um kund zu tun, dass wir es bei der Sonate mit dem zerflatternden Monolog eines Neurasthenikers zu tun haben. Dann eilt Pletnjew routiniert weiter durchs Passagenwerk, um bei den nächsten gestochen scharfen, funkelnden - ja für sich genommen wunderbar klingenden - Einzelheiten innezuhalten, die er dann gleichsam unter die pianistische Lupe nimmt.
Wird das Riesentremolo am Ende so überscharf gezeichnet, kippt es um in Karikatur; das gilt auch für die “mystischen Tremoli” am Ende der Dante-Sonate. Pletnjew seziert das Stück nicht, weil er seine Anatomie verstehen will, sondern weil er sein Zerfließen vorführen will. Eine solche versteckt destruktive Zielrichtung ist - mag die manuelle Fulminanz des Interpreten auch unbestreitbar sein - doch bedenklich.

Matthias Kornemann, 28.02.1999



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