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Franz Liszt

Balladen Nr. 1 und Nr. 2, BACH-Fantasie u.a.

Lilya Zilberstein

Deutsche Grammophon 447 755-2

Dass sie eine Pianistin von Rang ist mit einem ausgeprägten Hang zum romantisch-wogenden Repertoire, das hat die dreißigjährige Moskauerin Lilya Zilberstein auf ihren Solo-CDs mit Werken von Rachmaninow und Medtner, aber auch von Brahms und Liszt recht eindrucksvoll bewiesen.
Jetzt also ihr erstes komplettes Liszt-Recital mit einer nicht ganz alltäglichen Auswahl von lyrischen und religiös angehauchten Stücken - ohne die bis zum Überdruss eingespielten Show-Piècen. Die Stärken Lilya Zilbersteins liegen zweifellos in ihrer stupenden technischen Bravour und in ihrer stets lebendigen, dramatisch nach vorne gerichteten, energischen Spielweise - die selbst ein so heterogenes Programm wie die beiden "ätherischen" bzw. "stürmischen" Franziskus-Legenden, die verträumten "Consolations", die bizarre BACH-Fantasie und die aufgewühlte zweite Ballade in ein geschlossen wirkendes musikalisches Gesamtkonzept zu "zwingen" versteht.
Und was mir am meisten gefällt, ist ihre unprätentiöse, geradlinige, gefühlvolle Art, sich der musikalisch nicht immer leicht verdaulichen Materie anzunehmen, so dass sie durch ihre flotten Tempi die muffigen Weihrauchschwaden der Rezeptionsgeschichte kurzerhand wegbläst und die ursprüngliche herbe Schönheit der Werke wieder freilegt.

Attila Csampai, 29.02.1996



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