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Franz Liszt

Klaviersonate h-Moll, Fantasie und Fuge über B-A-C-H, Totentanz

Markus Groh

Avie Records/Musikwelt AV 2097
(58 Min., 12/2004) 1 CD

Schon auf dem Cover lugt der Pianist im Halbprofil herein wie ein Gespenst, und auch der Rest des Booklets ist ein bisschen auf Gothic gebürstet. Immerhin geht es um Totentanz, eine verstörend düstere h-Moll-Sonate und eine romantisch zurückschauende Fantasie und Fuge über das Thema B-A-C-H. Franz Liszt und der Berliner Pianist Markus Groh pflegen bereits seit längerer Zeit eine heimliche, hie und da vehement aufwallende Beziehung. Schon in den ersten Takten der h-Moll-Sonate spürt man, dass es hier - von beiden Seiten - nicht um eine Kurzschlusshandlung geht, sondern um einen andauernden Entwicklungsprozess, an deren Stationen uns Markus Groh hin und wieder teilhaben lässt. Deshalb lohnt es sich eigentlich immer, die ohnehin nicht übermäßig vielen Veröffentlichungen dieses Pianisten genauer anzuhören und sich dafür viel Zeit zu nehmen. Ganz so, wie sich auch Groh die Zeit nimmt und sich zurückzieht, um sich den Werken so lange zu widmen, bis sie in ihm eine gewisse Reife erlangt haben. Insofern hebt er sich wohltuend ab von vielen Musikern seiner Generation, den Virtuosen, den Getriebenen, die auf Biegen und Brechen, mithin letzteres, eine neue Sichtweise verkaufen müssen, die ihnen selbst gar nicht wirklich eigen ist. Wer bei Markus Groh auf Spektakuläres wartet, der wartet vergeblich. Es ginge an der Sache vorbei, sich über den teilweise etwas spröde-harten Anschlag zu mokieren, über kleinere Luftlöcher im Legato, über alles, was dazu dienen soll, den Hörer einzulullen oder artistischem Blendwerk zu verblüffen. Stattdessen öffnet Markus Groh immer wieder Türchen und auch breitere Tore, in Liszts Klangwelt einzutreten, einzutauchen, schließlich ganz darin zu atmen und neu aufzuleben. Und mit dieser künstlerischen Grundhaltung bleibt es auch für den Hörer spannend, Entwicklungsprozesse mitzuverfolgen und wieder neue Räume in dieser glücklich-melancholischen Geistesromantik zu betreten. Und auf diesem Weg hin zum Komponisten, zum einzelnen Werk, auf dem der Pianist zunächst an zweiter Stelle zu stehen scheint, ist es dann plötzlich doch von Belang, die Stücke ausgerechnet von diesem Künstler zu hören.

Helmut Mauró, 11.08.2006



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