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Mauricio Kagel

Duodramen, Szenario, Liturgien

Margaret Chalker, Hermann, Hill, Bischoff, Oosterkamp, Gulbenkian Chorus, Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, Mauricio Kagel

Naxos 8.57 0179
(60 Min., 1/1994, 5/1998, 5/2001) 1 CD

Was passieren würde, wenn sich Indira Gandhi und Casanova oder Alma Mahler-Werfel und Dschingis Khan zufällig begegneten? Woher sollen wir das wissen! Hängen wir der Frage aber dennoch kurz nach, wird sie rasch eindrucksvolle surrealistische Szenen im Kopf produzieren. Es sind nicht zuletzt inspirierende Fragestellungen wie diese, denen der 1931 geborene Mauricio Kagel seine Popularität verdankt. Wobei seine Antworten ebenfalls nicht zu verachten sind. In seinen Duodramen für Sopran und Bariton gestaltet Kagel die Begegnungen verschiedener historischen Persönlichkeiten als knappe, absurde Opernszenen. Die Instrumentation ist sicher nicht so farbenreich wie bei den bisweilen wie von fern durchklingenden Vorbildern Strauss oder Mahler. Doch Ausdruck und Emotionen wechseln in einer packenden, theatralischen und höchst abwechslungsreichen Dramaturgie. Doch auch wenn Kagel dabei höchst lustvoll mit Standardsituationen der Oper spielt, ist das Ganze mehr als nur parodistischer Slapstick. Mit Hilfe überdeutlich herausgearbeiteter motivischer Querverbindungen zwingt der Komponist dem absurden Geschehen eine höchst seriös wirkende musikalische Logik auf. Auch in "Liturgien" gelingt Kagel ein packendes musikalisches Vexierbild: Hier werden stilisierte liturgische Gesänge in verschiedenen Sprachen zu einer gewaltigen babylonischen Polyphonie aufeinandergetürmt. Die pathetisch zelebrierten Glaubensbotschaften werden durch die Gleichzeitigkeit des Vortrags ironisch gebrochen, das Imponiergehabe liturgischen Singens wird entlarvt – und dennoch malt Kagel sein musikalisches Gemälde mit großer Sympathie für Buntheit und Kraft religiös inspirierter Gefühlsäußerungen. Das gewaltige chorsinfonische Tohuwabohu ist mit beachtlicher Tiefenschärfe aufgenommen, wünschenswert wäre es dennoch, wenn man die vielsprachigen, collagierten Texte im Beiheft oder doch wenigstens – wie bei Naxos auch schon praktiziert – im Internet nachlesen könnte.

Carsten Niemann, 14.04.2007



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