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Zoltán Kodály, Johan Halvorsen, Eric Tanguy, Erwin Schulhoff, Joseph Ghys, Adrien Servais

Duos für Violine und Violoncello

Renaud Capuçon, Gautier Capuçon

Virgin Classics/EMI 545 586-2
(70 Min., 10/2002) 1 CD

"Nimm zwei" möchte man unwillkürlich denken, wenn man die neue gemeinsame CD der Brüder Renaud und Gautier Capuçon sieht. Denn einmal verdienen beide Rising Stars der Branche Aufmerksamkeit. Zum anderen nutzen sie den Brüdervorteil, ein lange eingespieltes Team zu sein, ganz zum Vorteil der Kammermusik aus.
Glücklich die Fügung, dass bei der brüderlichen Rollenverteilung der eine Spur extrovertiertere und sinnlichere Gautier den Cellostuhl einnimmt, während der einen Hauch kühlere und gelassenere große Bruder Renaud mit der Violine zum Höhenflug ansetzt: es ist, als zögen diese Charaktereigenschaften den einen jeweils zum verwandteren Charakter des Instruments des anderen hin - und verhinderten so, dass die Sterne voneinander abdriften. Schön auch, dass die Capuçons im Gegensatz zu den nicht ganz so subtilen Gottschalk-Brüdern mit ihrem "Face à face" betitelten Album für etwas werben, was ihr Engagement auch verdient. Die ausgedehnten Duos von Kodály und Schulhoff sowie Eric Tanguys, ihres 1968 geborenen "Hauskomponisten", sind gewiss keine Marketingmusik. Alle drei Stücke nutzen das melancholische bis groteske Potenzial, das in dem großen Abstand der beiden Instrumente liegt (und das die Kombination so attraktiv für die frühe Moderne machte), in allen herben bis ernsthaft melancholischen Nuancen aus. Beim kontrastierenden Goldrahmen aus zwei höchst geschickt arrangierten spätromantisch-brillanten Variationen von Halvorsen sowie Ghys & Servais können sich die beiden dagegen als brillierende Goldjungen präsentieren. Und das, trotz aller nahe liegender Rollenverteilung, ohne dass man zu sagen wüsste, wer gerade der Star ist.

Carsten Niemann, 26.07.2003



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