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Jacques Ibert

Macbeth, Golgatha, Don Quichotte

Henry Kiichli, Slowakisches Radiosinfonieorchester, Adriano

Naxos 8.55 7607
(77 Min., 1989, 1990) 1 CD

1933 war Jacques Ibert noch nicht mal zweite Wahl. Dieser Franzose, der dem musikalischen Neo-Klassizismus einen eleganten Dialekt beigebracht hatte, kam erst nach den Absagen von u. a. Manuel de Falla, Milhaud und Ravel zum Zuge. Doch beleidigt war Ibert nicht, als der legendäre Kino-Regisseur G. M. Pabst ihn endlich umwarb, für sein "Don Quichotte"-Projekt die Filmmusik zu komponieren. Zumal kein Geringerer als der russische Bass-Koloss Feodor Schaljapin die Titelrolle singen sollte. Und mehr als erstaunlich ist es, was Ibert in den hierfür entstandenen "Quarte Chansons" aus dem Stimmvolumen Schaljapins herausgekitzelt haben muss. Zumindest, wenn man jetzt nach Henry Kiichlis Bass-Stimme und seiner feinen Kunst der wortgebundenen Artikulation und des Changierens des iberischen Kolorits geht. Diese "Quarte Chansons" sind aber nur eine Seite des zu seinen Lebzeiten ungemein erfolgreichen Filmmusik-Komponisten Ibert. Und eine der beiden weiteren Filmpartituren, die Dirigent Adriano ausgesucht hat, wird sogar in einem Atemzug mit einem Streifen genannt, der längst zum Weltkino-Erbe gehört: Orson Welles' "Macbeth".
Triumphal raumgreifend, dämonisch verschlungen und grotesk scharfkantig zeigen sich die sechs Sätze, in denen das Slovak Radio Symphony Orchestra keine Wünsche offen lässt, was Transparenz und Tiefenschärfe angeht. Und auch da, wo Ibert sich mit burlesken Fagott-Schritten und hellstrahlenden Bläser-Hymnen im Schatten des Ballett-Komponisten Strawinsky bewegt, bleibt die musikalische Substanz unter Hochspannung. Einen anderen Russen - Modest Mussorgsky - hatte Ibert durchaus im Hinterkopf, als er 1935 seine "Golgatha"-Partitur für Regisseur Julien Duvivier schrieb. "Bilder einer Ausstellung"-Fanfaren und folkloristische Anleihen sorgen für eine übermäßig schwelgerische, aber nie in Breitwand-Sound ausfransende Stimmung - bis hinein in den Finalsatz "L'agonie - La mise au tombeau", durch den Ibert schauerliche Frequenzen jagen lässt.

Guido Fischer, 30.06.2005



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