Roboter lieben Sex. Olympia, die dralle mechanische Puppe, reitet auf Hoffmann, der rücklings im Heu ausgestreckt liegt. Nach drei Mal auf und ab lächelt sie befriedigt. Roboterfrauen kommen eben schnell und gewaltig. Der Gag ist verzichtbar, aber er bleibt fast das Einzige, was an Robert Carsens Pariser Inszenierung von Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann" verzichtbar ist. Allenfalls die Pop-Choreographie von Olympias Arie könnte man noch streichen, zu abgenutzt ist der Einfall, dass sich Opernfiguren während einer Nummer mit Show-Potenzial wie Madonna oder Britney Spears bewegen, auch wenn das hier mit den kantigen Gesten eines "Automats" geschieht.
Carsen entwickelt ungeheuer dichte, spannende Bilder und spielt dabei ganz gezielt mit Theatermetaphern, wenn er etwa den Antonia-Akt in einen Orchestergraben vor ein gewaltiges, goldenes Bühnenportal mit rotem Samtvorhang verlegt. Neil Shicoff ist immer noch ein beeindruckender Hoffmann, schauspielerisch hat er in dieser Rolle keine Konkurrenz. Désirée Rancatores brillante Olympia, Ruth Ann Swensons leuchtende Antonia, Béatrice Uria-Monzons abgründige Giulietta und der faszinierend dämonische Bryn Terfel als Hoffmanns vier Gegenspieler führen eine bis in kleinste Partien ideale Besetzung an.

Jochen Breiholz, 06.11.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

An den Feiertagen immer wieder dieselben Weihnachtsklassiker hören? Wem dabei potenziell eher langweilig wird, dem sei die CD „O heilige Nacht“ des Dresdner Kammerchores wärmstens ans Herz gelegt. Was dem Titel nach zunächst verdächtig nach traditionellen Arrangements klingt, entpuppt sich beim genaueren Hinschauen und Hinhören als vokaler Ausflug in eine Zeit, auf die für Weihnachtsmusik nur selten zurückgegriffen wird: die Romantik. So singt der Chor unter der Leitung von […] mehr »


Top