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Jan Ignacy Paderewski

Klavierkonzert op. 17, Fantaisie Polonaise op. 19

Ewa Kupiec, hr-Sinfonieorchester, Hugh Wolff

Koch/Schwann 3-6550-2
(57 Min., 6/1998) 1 CD

Nach ihren ganz eigenwilligen und schönen Chopin-Nocturnes dürfte Ewa Kupiec nun kein Geheimtip mehr sein. Jetzt kann sie sich wieder einem ihrer vergessenen Favoriten zuwenden, einem Superstar der Jahrhundertwende, Jan Ignacy Paderewski. Er war der am besten verdienende Pianist seiner Zeit, Welt- und Lebemann, und nach 1919 erster polnischer Staatspräsident. Sein Name steht unter dem Vertrag von Versailles!
Und doch haben wir ihn vergessen. Längst hatte er seinen Zenit überschritten, als er begann, Schallplatten aufzunehmen. Seine größten Triumphe feierte er auf der legendären Amerikatournee 1891, auf der er überall sein a-Moll-Konzert spielte. Wenn man an andere Komponisten-Virtuosen wie Scharwenka oder Busoni denkt, wundert man sich, wie bescheiden der Klaviersatz gehalten ist. Ich vermute, dass das Konzert kaum schwieriger ist als das von Grieg, an das sich das folkloristische Finale etwas anlehnt.
Paderewski war kein brachialer Tastendonnerer. Er schrieb ungewöhnlich schöne, eingängige Themen, und über allem liegt eine weiche Poesie, die Kupiec behutsam einfängt. Ein derart schwelgerisches Rubato, wie es Paderewski wohl auch bei seinen eigenen Stücken gepflegt hat, wagt sie nicht. Aber es weht etwas herüber von dem melancholischen Aroma, das unsere Urgroßeltern hingerissen hat.

Matthias Kornemann, 28.02.1998



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