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Arvo Pärt

Ich bin der rechte Weinstock, Berliner Messe

Theatre of Voices, Pro Arte-Sänger, Paul Hillier

HMF/Helikon 907242
(58 Min., 5/1998, 8/1998) 1 CD

Vor vielen Jahren hatte ich das Vergnügen, bei der Erstaufführung des "De Profundis" eines mir bis dahin unbekannten Komponisten mitzutun. Da schien sich eine neue, wuchtige, urtümliche Musiksprache anzukündigen, und der estnische Komponist Arvo Pärt, der eine halbe Stunde lang die angemessen klingende Stelle auf dem Gong suchte, schien auch aus einer anderen Welt.
Unter der Leitung von Paul Hillier, einem der intimsten Kenner der Musik Pärts, singen die Pro Arte-Sänger und das Quartett Theatre Of Voices geistliche Chormusik aus den Jahren 1990-1997. Pärt teilt erklärend mit, "dass es genügt, wenn eine einzelne Note schön gespielt wird". Bloß, wem genügt das? Der Reiz einfacher Kompositionsschemata, auf denen klanglich üppig insistiert wird, verbraucht sich, eine Dauerranke am "rechten Weinstock" möchte man frühzeitig beschneiden. Harmonik, die unseren Klangvorstellungen russisch-orthodoxer Herkunft zu entsprechen scheint, lässt partiell aufhorchen. Die klangliche Farbigkeit etwa des "Sanctus", wo die Sänger auch einmal ihren instrumentalen Stimmeinsatz aufgeben und zu singenden Individuen werden, kann wirklich mitreißen. Manches aber ruft nur nach Räucherstäbchen.
Doch wer eben das mag, der hat hier eine Aufnahme, die allen Erwartungen an klangliche Präsenz, sensible Sprachausdeutung und makellose Intonation entspricht.

Matthias Kornemann, 30.03.2000



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