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Krzysztof Penderecki, Béla Bartók

Violinkonzert Nr. 2 (Metamorphosen), Violinsonate Nr. 2 Sz 76

Anne-Sophie Mutter, Krzysztof Penderecki, London Symphony Orchestra, Lambert Orkis

Deutsche Grammophon 453 507-2
(57 Min., 9/1995, 1/1997) 1 CD

Ich habe hohen Respekt vor dem Schaffen Pendereckis; Werke aus den sechziger und siebziger Jahren haben mich beeindruckt bis aufgewühlt. Sein Cello-Konzert, "Fonogrammi", erstes Violinkonzert, "Threnos" - diese und andere Werke hinterließen bei mir Eindrücke, die ich mit Originalität, Erfindungskraft, Fantasie, Einfallsreichtum assoziieren konnte. Pendereckis - für Anne-Sophie Mutter komponiertes - Zweites Violinkonzert jedoch ruft nichts Vergleichbares wach. Die "Metamorphosen" wirken auf weiten Strecken wie ein Streifzug durch die - vor allem - langsamen Sätze der Violinliteratur des 20. Jahrhunderts.
Metamorphosen: Wandlungen, Umgestaltungen, Ursprünglichkeit - Penderecki scheint auf der "Suche nach der verlorenen Zeit", stellt Fragezeichen ohne Fragen auf. Die auch von Anne-Sophie Mutter angesprochenen Elemente des Schmerzes, der Trauer, des Sarkasmus wirken nicht mehr originär, eher meisterhaft arrangiert, kenntnis- und reminiszenzenreich, absichtsvoll konstruiert. Es scheint in den letzten Jahrzehnten alles gesagt worden zu sein - man kann sich nur noch wiederholen. Vielleicht denke ich in zehn bis zwanzig Jahren anders. Anne-Sophie Mutter beackert diese Ideendeponie mit einer Hinwendung und Intensität, die einem jungfräulichen, fruchtbaren Boden würdig wäre.
Die Einspielung von Bartóks Zweiter Violinsonate hätte zu einem Meilenstein werden können, wenn der Geigerin ein Pianist vom Schlage eines Olli Mustonen oder Leiv Ove Andsnes zur Seite gestanden hätte. Anne-Sophie Mutter hat ihren Part mit aller interpretatorischen Sorgfalt und Musikalität gestaltet - dass sie dabei geigerisch an Grenzbereiche herangeht, setzt man bei ihr fast als Selbstverständlichkeit voraus. Bei Lambert Orkis jedoch fehlen - schon rein klanglich - prägendes Profil, wirksame Impulsgebung und aufrichtende Widerstände. Wenn ihn die Aufnahmetechnik während des Zusammenspiels beider Instrumente durch Unterbelichtung auch noch hoffnungslos benachteiligt, kann es weder zu musikalischer noch akustischer Ausgewogenheit kommen.

Wolfgang Wendel, 31.01.1998



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