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Francis Poulenc, Maurice Duruflé, Olivier Messiaen

Lux Aeterna

The Gents, Peter Dijkstra

Channel Classics/harmonia mundi CCS SA 22405
(85 Min., 7/2004)

Mehr als im vergleichsweise bekannten Requiem Maurice Duruflés lässt sich das niederländische Männer-Vokalensemble The Gents in dessen "Messe cum jubilo" aus der Reserve locken: Während das auf der gregorianischen Totenmesse basierende, hier in der Orgel-Version eingespielte Requiem leider streckenweise ein wenig steril bleibt, erwacht die kompositorisch ähnlich konzipierte, im Gesangspart aber durchweg einstimmige Messe tatsächlich zu blühendem Leben. Woran könnte das liegen? Vielleicht setzte Dirigent Peter Dijkstra im Falle des Requiems allzu sehr auf einen geraden, reinen, ja keuschen Klang, der auch durchaus zu faszinieren vermag, aber eben die spätromantische Sinnlichkeit dieser Musik ein wenig verleugnet. Und so findet sich auf vokaler Ebene bei aller stupenden Kongruenz und Intonationsreinheit des erweiterten Ensembles – für das Requiem mussten selbstverständlich Frauenstimmen eingekauft werden – oft keine Entsprechung zu den harmonischen Ballungen, wie sie etwa das Offertorium (Domine Jesu Christe) auf instrumentaler Ebene zu bieten hat. Es fehlt auch in durchsichtigeren, teils einstimmigen Passagen wie z. B. im Introitus jenes leichte innere Beben, jene Intensität (man mag heutzutage ja gar nicht mehr von Vibrato sprechen), die solche melodischen Linien im von der Orgel verursachten spätromantischen Klangbett eben auf andere Weise verlebendigen würde – und sollte – als beim Vortrag durch ein Mönchskonvent. All dies gelingt in der "Messe cum jubilo" wesentlich besser: Hier jubeln die Männerstimmen gemeinsam mit der Orgel, hier findet das mitreißende Brausen und Toben des Instruments (hervorragend meistert übrigens Organist Erwin Wiersinga seinen höllisch schwierigen Part) sein adäquates Gegenüber in einem volltönenden, begeisterten, trotz gelegentlicher Entfesselung immer noch überaus einheitlichen und gebündelten vokalen Klang.
Eine Reihe von A-cappella-Stücken ergänzen das Programm dieser beiden mit je etwas über 40 Minuten leider nur sehr knapp gefüllten CDs: Duruflés "Notre Père", der Franziskus- und der Antonius-Zyklus von Francis Poulenc und Messiaens "O Sacrum Convivium", Letzteres wieder unter Beteiligung von Frauenstimmen. Chorkultur vom Feinsten ist hier zu erleben, vollkommenste Ausbalancierung jedes einzelnen Akkords, ungehemmtes Fließen, perfekte Ausgewogenheit von Wort und Ton. Aber auch hier ist deutlich zu bemerken: Ohne die Mitwirkung von Frauenstimmen wagen sich die Gents weiter heraus aus der Sicherheitszone ihres zuverlässig brillanten Gesamtklangs.

Michael Wersin, 21.07.2005



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