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Sergei Prokofjew

Die Liebe zu den drei Orangen

Solisten, Chor der Oper Zürich, Orchester der Oper Zürich, Valery Gergiev

Philips 462 913-2
(102 Min., 1997, 1998) 2 CDs

Was haben Orangen mit Liebe zu tun? Sehr viel, wenn sich darin drei Prinzessinnen befinden. Es geht drunter und drüber in dieser Oper: Commedia-dell’arte-Figuren, Zauberer und Sonderlinge (eine Art Staatsdiener), mischen bei einer höfischen Intrige mit, kommentiert von Parteigängern unterschiedlich Theatergattungen im Chor. Das skurrile Libretto nach Carlo Gozzi beginnt mit einem hypochondrischen Prinzen, der nicht lachen kann, und endet nach knapp zwei Stunden glücklich mit einer königlichen Hochzeit.
So ungewöhnlich wie die Handlung ist die Musik in Prokofjews Oper aus dem Jahr 1919. Traditionell ist eigentlich nur der bekannte Marsch, der mehrfach als Überleitung dient. Zugunsten großer Spannungsbögen verzichtet Prokofjew auf eine Einteilung in abgeschlossene Nummern und gestaltet die Partitur entsprechend den darstellerischen Ebenen stilistisch vielschichtig. Schwelgerische Melodiebögen kommen ebenso vor wie laute, buntscheckig instrumentierte Ensembles mit großem Orchesterapparat und Chormassen. Das Orchester konterkariert den Text oft und recht witzig.
Orchester, Solisten und Chor des St. Petersburger Mariinsky-Theaters unter Walery Gergiew musizieren mit viel Drive und mit einem, wo es angebracht ist, saftigem, vollen Orchesterklang. Unter dem Solisten sind vor allem Jewegenij Akimow als hypochondrischer Prinz und sein Begleiter, der höfische Spaßmacher Truffaldino (Konstantin Pluschnikow) hervorzuheben, letzterer leicht lispelnd. Sehr eindrucksvoll ist auch Wladimir Waneew als Zauberer Tschelio, der, ebenso wie Larissa Schewtschenko als Fata Morgana, bei den Auftritten oft eine magische Stimmung zu erzeugen vermag. Dass nicht alle Solisten auf Weltniveau sind, ist angesichts des Ensemblegeistes ebenso verzeihlich wie kleinere Orchesterschnitzer.

Peter Overbeck, 22.02.2001



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