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Native Lands

Will Calhoun

Enja Records HW/Soulfood 9168-2
(75 Min.) 1 CD, mit DVD

"Think big" könnte als Motto über dem zweiten Soloprojekt des Schlagzeugers Will Calhoun (sprich: "Käll-Huhn") stehen. Vor fünf Jahren hat sich der Trommelvirtuose auf seiner ersten CD als Liebhaber des akustischen Jazz geoutet; bis dahin war er als Mitglied der legendären avantgardistisch-funkalodischen Hardrockband Living Colors aufgefallen. Mittlerweile hat Calhoun als Jazz- und Rocksideman die Welt bereist und dabei die einheimische Musik Brasiliens, Marokkos und Australiens studiert. Außerdem ist er zu einem Spezialisten des Drum-Programmings und der Verbindung von elektronischen Effekten und Schlagzeugsounds herangereift. Auf "Native Lands" versucht er eine umfassende Bilanz seiner musikalischen Erfahrungen der letzten zehn Jahre. Er drückt sich dabei weitgehend in dem Idiom aus, das ihn schon als Heranwachsenden tief geprägt hat, die Musik eines Miles Davis der 60er und 70er Jahre einerseits und die eines Jimi Hendrix andererseits. Das Programm gerät ihm dabei trotz dieser Referenz, mit der er offensichtlich eine programmatische Einheit schaffen wollte, etwas sehr breit gefächert. Zugegeben, das ist meisterlich gemacht: Immer wieder gibt Wallace Roney den perfekten Miles-Trompeter - und selbst Pharoah Sanders lässt weniger an sich selbst aus Coltrane-Tagen denken, sondern klingt vielmehr nach Wayne Shorter. Dann wieder mischt Stanley Jordan deftige Sounds an der Gitarre zu Calhouns mit Studiotechnik übereinander geschichteten Trommelrhythmen. Ein hübsches Mundharmonikastückchen fällt aus dem Davis-Hendrix-Rahmen, ebenso wie das faszinierende Titelstück, ein mehrfach overdubtes Perkussions-Duo Calhouns mit Naná Vasconcelos. Immer wieder ist Calhoun darauf bedacht, seinem Schlagzeugspiel durch entsprechende Effekte, wie sie auch ein junger Gitarrist benützen würde, die aktuelle Würze zu geben. "Think big" bedeutet aber auch, dass es zur CD eine begleitende DVD gibt. Dort sind ausführlich Calhouns Begegnungen mit Musikern der Welt zu sehen, die er sympathisch kommentiert, von denen jedoch leider kaum etwas zu hören ist; der Soundtrack besteht meist aus Calhouns daraus abgeleiteten Adaptionen für sein akustisch-elektronisches Drumsound-und Loop-Instrumentarium - und das muss man eben schon mögen, um es stundenlang zu mögen.

Thomas Fitterling, 29.10.2005



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