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Sergei Prokofjew

Sinfonie Nr. 5, Klavierkonzert Nr. 1

Nikolai Lugansky, National Youth Orchestra of Great Britain, Yan Pascal Tortelier, Royal Scottish National Orchestra, Alexander Lazarev

Warner 2564 61551-2
(59 Min., 8/2003, 9/2003) 1 CD

Ein Meisterwerk ist dies ganz gewiss kaum. Nichts haftet an ihm von einem jugendlichen Geniestreich, wie ihn etwa der junge Mendelssohn aufs Papier zu werfen imstande war. Es knallt, es knattert, es krawallt so ziemlich an allen Ecken und Enden des ersten in einen episodischen Satz gepressten Klavierkonzerts in Des-Dur von Sergei Prokofjew, so dass man sich als Hörer vorkommt wie der in der ersten Runde besiegte Boxer bei einem Boxkampf: Eine links, eine rechts, noch eine Links-Rechtskombination - und, schwupps, ist man k.o.. Dass es gar so schlimm nicht wird, und dass zwischen all den schlagkräftig-perkussiven Attacken immer wieder auch ein Stückchen Musik hindurch scheint, dafür sorgen die Interpreten: Nikolai Lugansky mit kristallinem Tonfall und einigen fürwahr leuchtenden Passagen sowie das Royal Scottish National Orchestra, welches unter der Leitung von Alexander Lazarev transparent musizierend und wohltuend klar artikulierend durch das rhapsodische Dickicht der doch ziemlich tintendicken Partitur hindurch findet. Und noch etwas ist heraus zu hören aus diesem Live-Mitschnitt aus der Royal Albert Festival Hall: Schier ungezügelte Spielfreude seitens der Beteiligten.
Im Fall der fünften Sinfonie des Russen in B-Dur fällt dies nun nicht gar so leicht. Über weite Strecken ist dies ein Werk der Trübsal, der Schwermut, des zähen Ringens mit dem Material, mehr noch, mit der Realität. Kurz zur Vorgeschichte: Prokofjew war gerade - freiwillig - in seine Heimat zurückgekehrt, da setzten die staatlichen Repressionen ein, und Jahre darauf auch noch der Krieg. Der Komponist, hin und her geworfen zwischen Freiheitswillen und Anpassung, zwischen Künstlerklugheit und politischem Wollen, schrieb Musik, aus der so recht niemand schlau werden wollte. Auch seine fünfte Sinfonie , in dem vom Krieg erschütterten Moskau am 13. Januar 1945 aus der Taufe gehoben, will sich nicht öffnen, wiewohl Prokofjew selbst meinte, er habe dieses Stück als eine Sinfonie "auf die Größe des menschlichen Geistes" ersonnen. Ob nun ein Jugendorchester wie das National Youth Orchestra of Great Britain (Leitung: Yan Pascal Tortelier) in der Lage ist, die weitgefassten (sublimen) Dimensionen einer solch tiefgründigen Musik zu erfassen? Die Live-Aufnahme vermittelt einen Eindruck davon, wie eindringlich dieser Versuch gestaltet ist. Wiewohl nicht bis ins Letzte griffig. Das kann aber noch werden.

Tom Persich, 30.10.2004



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