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Shade

Holly Cole

Tradition & Moderne/Indigo T&M 027
(50 Min.)

Es geht um Hitze, vergangenen Reichtum und träge Dekadenz. Brandaktuell, das alles, möchte man meinen. Aber: völlig ungewollt. Die Stücke stammen nämlich größtenteils aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Und die Interpretin, wahrscheinlich die gerissenste unter den Jazzsängerinnen der Gegenwart, hat sich eigentlich gar keine Gedanken über New Economy oder die grassierende Mutlosigkeit in der westlichen Welt gemacht. Sondern einfach nur eine CD aufgenommen, die thematisch verbandelte Songs über Licht und Schatten, Sonne und Mond beinhaltet.
"Shade" heißt das Werk. Es ist ein typisches Holly-Cole-Album geworden: gespickt mit lauter umgedeuteten Standards aus dem American Songbook, überraschenden Arrangements (mit Streichern, Mandoline und Schweineorgel auf der Besetzungsliste) und einer überall waltenden, erhabenen Traurigkeit. Es ist die Kunst der kanadischen Sängerin, in der vermeintlich leichten Unterhaltungsmusik des Jazz-Kontinentes die Untiefen und Brüche aufzuspüren. Sie tut dies mit einer Subtext-Strategie, die nach ungeahnten Doppeldeutigkeiten in vermeintlich banalen Versen sucht. Hätte man es beispielsweise für möglich gehalten, dass sich hinter "Moonglow" eine Schizophrenie-Ballade verbirgt? Eine tolle Platte für die Schattenseiten des modernen Lebens.

Josef Engels, 27.09.2003



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