home

N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



Puccinis “Triptychon”, in dem sich das tragische, mystische und komische Element zu einem theatralischen Kosmos verbindet, hat in den letzten zwei Jahrzehnten diskografisch ein stärkeres Interesse gefunden. Mit seiner Neuproduktion braucht Antonio Pappano keinen Vergleich zu scheuen: Er besitzt echtes Gespür für die Emotionalität der Sprache Puccinis, für die spezifische Klanglichkeit und die notwendigen Nuancen der Agogik. Mit absoluter Souveränität trifft er den individuellen Tonfall der drei Einakter, spürt mit großer Genauigkeit die Details der Partitur auf, ohne den großen Bogen aus dem Blick zu verlieren. Die beiden Londoner Orchester dokumentieren erneut ihren Rang als vielseitige Klangkörper der Oberklasse, wobei man sich allerdings unwillkürlich nach den Gründen fragt, die zu dem unüblichen Orchesterwechsel geführt haben.
Carlo Guelfi führt eine wohlklingende, ausgeglichene Stimme ins Feld, doch hält sich bei ihm die Verzweiflung des betrogenen Ehemannes in Grenzen, während Neil Shicoffs Ausdruckskraft, mit der er Luigis “cri du cœur” herausschleudert, vergessen lässt, dass sein Timbre vielleicht weniger “italianità” suggeriert. Rebellisch und impulsiv, zugleich gottesfürchtig und demütig: Diese verschiedenen Facetten im Wesen Angelicas vermag Cristina Gallardo-Domás mit großer vokaler Variabilität zu realisieren. Beeindruckend ist auch Bernadette Manca di Nissa, die das Porträt eines in seinen Emotionen erstarrten Menschen entwirft.
Eine von prallem Leben erfüllte Komödiengestalt wie der Testamentsfälscher Gianni Schicchi führt bei der Darstellung nicht selten zu Übertreibungen, die sich dann als kontraproduktiv erweisen. Dass José van Dam die schwierige Gratwanderung mit traumhafter Sicherheit vollführt, beweist seinen noblen Geschmack; das “Traumpaar” Angela Gheorghiu und Roberto Alagna verkörpert hier einmal die nahezu ideale Besetzung.
Schade, dass man auf ein paar Raritäten verzichtet hat, die in einem Anhang hätten präsentiert werden können: auf die erste Fassung des Michele-Monologs “Scorri, fiume eterno” und auf die sogenannte “Aria di fiori” Angelicas - zwei Stücke, die der Revision von 1922 zum Opfer fielen.

Norbert Christen, 28.02.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


Abo

Top