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Giacomo Puccini

Madama Butterfly (Originalversion von 1904)

Svetlana Katchour, Bruce Rankin, Bremer Philharmoniker, Günter Neuhold

Naxos 8.660078-79
(12/1997) 2 CDs

Am 17. Februar 1904 verließ das Mailänder Publikum nach einem Höllenspektakel in höchste Freude versetzt die Scala. Puccini zog seine "Madama Butterfly" nach der einer völlig missglückten Uraufführung zurück. Er tilgte alle Anklänge an "La Bohème" und kürzte vieles, um die Handlung noch mehr zu dramatisieren. Keine drei Monate später konnte die neue "Butterfly" in Brescia ruhmreich auferstehen. Die endgültige Pariser Fassung von 1906 wird bis heute gespielt.
Dass der Misserfolg der Ur-Version mehr den Umständen zuzuschreiben ist als Puccinis Partitur, zeigt diese Einspielung unter Günter Neuhold mit dem Philharmonischen Staatsorchester Bremen. Um die Schönheiten dieser Fassung zu genießen, braucht man allerdings etwas Fantasie. Besonders leidet diese Aufnahme an unorganisch wirkenden, zumeist zu schnellen Tempi und an einer mangelnden dynamischen und klanglichen Feinabstimmung.
Naxos hat oft Recht gehabt, große Rollen mit weniger bekannten Sängern zu besetzen. Hier hat man sich aber doch etwas vergriffen. Da die Oper fast keine Handlung hat (ein amerikanischer Marineoffizier heiratet spaßeshalber eine japanische Geisha, die, von ihm verlassen, Harakiri begeht), lebt sie von den Freuden und vor allem Qualen der kindlich-stolzen Heldin.
Svetlana Katchours Butterfly gibt diese Einblicke nicht genügend und nicht über die ganze Partie hinweg her, obwohl sie ein interessantes Timbre hat. Ihr fehlt die Schnörkellosigkeit und durchdringende Dynamik der Stimme, womit die ungeheuren Kräfte unter Butterflys sanfter Oberfläche zum Durchscheinen gebracht werden könnten. Vor allem müsste sie die Spitzentöne sicherer und länger halten, die Vokale deutlicher aussprechen und rhythmisch akzentuierter singen.
Etwas überfordert ist auch Bruce Rankin in der Rolle des treulosen Pinkerton, obwohl er mehr Individualität in seine Rolle legen kann. Der beste Sänger ist Uwe Eikötter in der Rolle des Heiratsvermittlers Goro mit einer großen Ebenmäßigkeit des Tons, einer deutlichen Aussprache und federnden Dynamik.

Cornelia Wieschalla, 20.06.2002



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