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Johann Sebastian Bach

Englische Suiten

Robert Levin

Hänssler/Naxos 4 010276 016137
(128 Min., 10/1999) 2 CDs

Früher hatten die Organisten unter den Tastenschlägern das Sagen. Heute sind die Pianisten die Publikumsmagneten, den Cembalisten und (anderen) Experten für historische Tasteninstrumente à la Clavichord und Pianoforte überlässt man gerne ihre Nischen. Wenn einer dagegen als Alleskönner daherkommt, dann wird man misstrauisch: Der verstößt doch gegen unsere gesellschaftliche Grundverfassung der spezialisierten Arbeitsteilung. Robert Levin bringt dieses Denken ins Wanken, hört man sich seinen höchst abwechslungsreichen und ausgeklügelten Gemischtwarenhandel des Wohltemperierten Klaviers an, den er für die "Edition Bachakademie" auf Cembalo, Clavichord und Orgel eingespielt hat.
Für die Englischen Suiten zeigt er sich dagegen ganz modern: am Steinway. Und da stehen Stirnrunzeln und Staunen auf meiner Stirn. Per Beiheft führt der kluge Harvard-Professor neben dem noblen, vollen Klang die Kantabilität an, die ihn zur Flügel-Wahl gebracht habe. Aber gerade sie ist Levins Manko. Das "singende", atmende Legato-Spiel, das vor allem die Sarabanden verlangen, kommt zu kurz. Auch dynamisch bleiben weite Passagen undifferenziert. Es überwiegt eine harte, unsentimentale Lesart dieses anspruchsvollsten bachschen "sixpacks".
Akzeptiert man - mit jenen Einschränkungen - diese unromantische Art, so wird das dämonisch-virtuose d-Moll-Schlusswerk zur Krönung des Ganzen, zumal Levin hier die ihm vom Cembalo her bestens vertraute Terassendynamik, besonders in den beiden Gavotte-Sätzen, auf den Flügel überträgt. Vollends Beifall erheischt die perlende Ornamentik, die Levin wie kaum ein anderer austüftelt. Aber, wie gesagt, die levinsche Bach-Medaille hat eine Kehrseite.

Christoph Braun, 01.12.1999



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