David Pountneys "Turandot", entstanden für die Salzburger Festspiele 2002, ist monumentales Breitwandtheater der gröberen Art. Das erschlagende Bühnenbild von Johan Engels, dem man wohlwollend eine entfernte Ähnlichkeit mit der bedrohlichen Maschinenwelt von Fritz Langs Stummfilmklassiker "Metropolis" bescheinigen mag, profitiert von der DVD: Durch Close-ups und Halbtotalen wird die Übermacht dieser Architektur, die bei der Aufführung im Großen Festspielhaus die Solisten fast zu verschlucken drohte, abgeschwächt. Doch die Kamera allein kann diese schwache, uninspirierte Inszenierung nicht retten. Nicht für eine einzige Minute entsteht so etwas wie Spannung, und verlangte es nicht die Rezensentenpflicht, bis zum Ende durchzuhalten, hätten wir schon nach zehn Minuten den "Aus"-Knopf gedrückt.
Die Besetzung ändert daran nicht viel. Dass Johan Botha über eine riesige, schöne Stimme gebietet und als Schauspieler eine Zumutung ist, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Der Calaf liegt ihm nicht wirklich, als Stolzing oder Lohengrin verströmt er die wahren Tenorwonnen. Gabriele Schnaut versucht als Turandot, die Figur schauspielerisch zu differenzieren, doch selbst ihr Charisma nützt in diesem Setting wenig. Christina Gallardo-Domas sahnt als Liu ab, und Paata Burchuladze orgelt sich routiniert durch die Partie des Timur. Valery Gergiev dirigiert so kantig und schlachtermeisterlich, als wolle er dem Bühnenbild Konkurrenz machen. Und seien wir ehrlich: Der Berio-Schluss ist nicht wirklich ein Geniestreich. Ohne ihn wär's zumindest kürzer gewesen ...

Jochen Breiholz, 21.01.2006



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