"Making of"-Bonustracks müssen nicht immer fade sein ("he is the greatest conductor", "she/he is the greatest singer" etc.): In dem dieser "Butterfly"-Inszenierung beigefügten Interviewanhang erfahren wir, dass dem Regisseur Robert Wilson seine erste "Butterfly" im jugendlichen Alter durch allzu viele Kirschblüten im Bühnenbild verleidet wurde. Er nutzte daher die Gelegenheit der eigenen Regiearbeit an Puccinis japanisch-amerikanischen Drama zum völligen Verzicht auf Kirschblüten - und auch auf fast alles andere, was so zum täglichen Leben gehört: Trinkgläser etwa deuten die Darsteller nur pantomimisch an. Wilson erdachte stattdessen ein Repertoire von zahlreichen irgendwie japanisch anmutenden Gesten, die er durchnummerierte und den Sängern bei der Einstudierung teils per Zuruf beibrachte. Hinzu kommt die gleichfalls recht japanische Gewandung und Schminke für alle Beteiligten, auch für die Amerikaner Pinkerton und Sharpless. Das Ergebnis: Alle sehen recht japanisch aus. Nun ist die verobjektivierende Wirkung einer solchen Maßnahme, die den Blick auf die Musik in durchgreifender Weise freigibt, nicht zu verachten - dies meint auch Dirigent Edo de Waart, der sich für seine erste (!) Butterfly freilich aber doch etwas mehr Dramatik auf der Bühne gewünscht hätte. Überhaupt verbirgt er seine Meinung zum Bühnengeschehen gelegentlich hinter feiner Ironie.
Sängerisch kann man diese "Butterfly" als halbwegs gelungen betrachten. Zwar stört bei Cheryl Barker in der Titelpartie das starke Vibrato, das gelegentlich in leichtes Scheppern übergeht, aber sie hat ansonsten durchaus große Momente. Ansprechend im Timbre und sehr kraftvoll agiert Martin Thompson als Pinkerton, und Richard Stilwell als Sharpless vermag ebenfalls zu überzeugen. Gewöhnungsbedürftig ist die visuelle Komponente, die in puncto Interaktion fast nie das liefert, was man vor dem Hintergrund des in dieser Oper aufbereiteten Konfliktpotentials gemeinhin erwarten würde. Aber sei’s drum - ist mal etwas anderes.

Michael Wersin, 25.08.2006



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