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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzert Nr. 2, Études-Tableaux op. 33, Prélude gis-Moll op. 32 Nr. 12, Variationen über ein Thema von Corelli

Hélène Grimaud, Philharmonia Orchestra, Vladimir Ashkenazy

Teldec/Warner Classics 8573-84376-2
(64 Min., 6/2000, 9/2000, 1/2001) 1 CD

Für Asketen, die vornehmlich an der motivisch-thematischen Arbeit später Beethoven-Quartette geistige Befriedigung erfahren, ist die effektvolle, emotional ausladende Klaviermusik Sergei Rachmaninows schwer erträglich: Wie ein großes Stück schwerer Honigkuchen liegt sie ihnen im Magen. Alfred Brendel etwa äußerte kürzlich in einer Veröffentlichung zu seinem Siebzigsten Desinteresse und Zweifel gegenüber diesen Gefilden des Klavierrepertoires. Wen jedoch Virtuosität, gepaart mit einer unverwechselbaren Tonsprache und großer spätromantischer Geste, nicht kalt lässt, der wird an dieser CD große Freude haben.
Hélène Grimauds Klavierspiel lässt aufhorchen: Nachdem die berühmten einleitenden Akkorde des zweiten Klavierkonzerts verklungen sind, brilliert sie sogleich mit der feinen Binnenstrukturierung der Kaskaden, die das Orchesterthema begleiten. Immer wieder fällt auf, wie mühelos Hélène Grimaud technisch schwere Passagen nicht nur meistert, sondern ihnen auch mit glasklarer Tongebung zu unmittelbarer Wirkung verhilft. Überzeugend gelingt ihr auch der Aufbau einer träumerisch-verhangen Atmosphäre im zweiten Satz des Konzerts, wobei sie sich jedoch stets auch für leidenschaftliche Ausbrüche bereit hält.
In den Werken für Soloklavier, darunter die berühmten "Corelli-Variationen", besticht Grimaud durch ihre Fähigkeit, die verschiedenen Ebenen des Satzes plastisch voneinander abzuheben, was den Stücken räumliche Tiefe und beinahe greifbare Plastizität verleiht. Vielleicht hilft ihr die ausgeprägte synästhetische Begabung, von der im Beiheft die Rede ist, bei solchen interpretatorischen Meisterleistungen: Musik nimmt bei Hélène Grimaud wie selbstverständlich Farbe an, schon während des Lesens einer Partitur; das zweite Klavierkonzert Rachmaninows beispielsweise erlebt sie als große Palette unterschiedlicher Schattierungen der Farbe Schwarz.

Michael Wersin, 15.03.2001



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