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Sergei Rachmaninow

Préludes op. 23, Moments musicaux op. 16

Nikolai Lugansky

Erato/Warner Classics 6 85738 57702 6
(65 Min., 9/2000) 1 CD

Ob man will oder nicht – so ein Cover weckt Erwartungen. Nikolai Lugansky sieht aus wie ein Filmrusse, der für den Part eines KGB-Jungoffiziers vorspricht. Coverversprechungen werden selten eingehalten, aber der achtundzwanzigjährige Lugansky wird der Rolle beherrschtester Unerbittlichkeit tatsächlich teilweise gerecht.
Sein Klavierspiel ist überaus kontrolliert. Jene Präludien, die normalerweise die letzten Energiereserven fordern – das wuchtigste ist jenes B-Dur- , ringt Lugansky mit furchtloser, gleichwohl blasser Könnerschaft nieder. Manuell ist er zu sicher, um aus dieser Bewältigung dramaturgischen Effekt ziehen zu können. Er wird nicht einmal geschwitzt haben dabei, und ich glaube gern, dass er diese massigen Präludien auch im Konzert ebenso sicher und maßvoll ausführt. Es ist ja sympathisch, wie zurückhaltend Lugansky sein virtuoses Können vorführt, doch diese technokratische Kühle fesselt nicht; es ist, als bliebe er kurz unterhalb des Gipfels stehen, während Richter oder Weissenberg wilde Klangräusche erleben, oben.
Auch die lyrische Seite dieses op. 23 verfällt einer seltsamen Gehemmtheit. Wie steif etwa setzt Lugansky das Thema der Linken im abschließenden Ges-Dur-Prélude in die leisen Akkorde. Das geht wie auf Stelzen. Glaubt Lugansky, diese Stücke klängen sentimental, gönnte er ihren Melodien eine atmendere, weicher ausschwingende Artikulation, etwas mehr zarten Glanz? Da haben uns andere belehrt, wie viel Innigkeit man hier wagen kann, ohne dass das Wort „Salon“ droht. Nach Sachlichkeit und Objektivität zu suchen ist durchaus ehrenwert, aber das gelingt Idil Biret (siehe Rezension) bedeutend überzeugender.

Matthias Kornemann, 05.04.2001



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