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Sergei Rachmaninow

Sinfonie Nr. 2, Vocalise

Cincinnati Symphony Orchestra, Jesús López Cobos

Telarc/In-Akustik 0 89408 05432 7
(66 Min., 5/2000) 1 CD

Verglichen mit seinen Konzerten sind die drei Sinfonien Rachmaninows nahezu unbekannt. Die fast einstündige Zweite, 1906 in Dresden komponiert, entzieht sich ihrer Dimension und satztechnischen Dichte wegen dem flüchtigen Besucher. Zwar erlaubt die weitausholende, wunderbare Melodik schwelgerisches Hören, doch der ganze kontrapunktische Reichtum - Rachmaninow war einer der genialsten kontrapunktischen Tüftler der neueren Musikgeschichte – fordert eine strukturellere Perspektive, die bis heute aussteht.
Auch in dieser Neueinspielung wünscht man manchmal gleichsam mit dem Skalpell in die schwellenden Klänge hineinschneiden zu können. Da wäre manch eingewachsene Gegenstimme herauszuschälen. Im Scherzo mit seinem die Gelehrtheit des Komponisten bizarr vorführenden Fugato-Mittelteil hätte ich mir mehr Schärfe und federnd-schlanke Transparenz gewünscht. Aber die Musiker aus Cincinatti träumen sich lieber in die dämmrigen russischen Steppen. Da ist die alte Ormandy-Aufnahme deutlich bissiger und durchhörbarer. Aber die weiten, herrlichen Melodien, die dunkel timbrierten Klänge, sie werden für ein amerikanisches Orchester recht süffig ausgespielt.
Würde sich doch Nikolaus Harnoncourt einmal dieser Musik widmen. Ein sorgsames Nachzeichnen der kleingliedrigen Phrasen dieser Musik würde ein Erstaunen hervorrufen, wie es keine kulinarische Aufnahme auslösen kann.

Matthias Kornemann, 24.05.2001



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