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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Sergei Rachmaninow

Sinfonie Nr. 2

Irisches Sinfonieorchester, Alexander Anissimov

Naxos 8.554230
(58 Min., 5/1997) 1 CD

Ein geschätzter Kollege schrieb neulich in einer Konzertbesprechung über diese e-Moll-Sinfonie, die Instrumentierung sei in ihrer Streicherlastigkeit geradezu dilettantisch. Es mögen Rachmaninows mitleiderregende Selbstzweifel sein, die einer Einladung gleichen, angebliche Mängel mit herablassendem Wohlwollen anzukreiden. Wer wagte das bei einem Schostakowitsch oder wem auch immer? Ist diese dilettantische Streicherlastigkeit aber nicht vielleicht ein Problem allzu schwelgerischer, bloß die unendlichen melodischen Bögen auskostenden Interpretationen?
Der wunderbare, meinetwegen „echt russische“ Seitengedanke im Scherzo ist eine Schlüsselstelle, um Antwort auf die Frage nach interpretatorischer Verantwortung zu finden. In der Aufnahme der „Zweiten“ mit dem Cincinatti-Orchester, die ich vor einigen Wochen besprochen habe (siehe Rezension), trieft sie, um schluchzende Verschleifungen bereichert, wie dicker Honig aus den Waben. Mögen die Streicher es genießen, sie spielen dem Kritiker zu.
Hört man nun dieselbe Stelle in dieser Neuaufnahme von Alexander Anissimov, vernimmt man bislang Ungehörtes. Man bemerkt nicht nur die herrliche Gegenstimme der Celli, sondern auch feingesponnenere Kontrapunkte in den Holzbläsern, die Material des Scherzo-Beginns verwandeln. Eine behutsame Umgewichtung, eine kleine Ausnüchterung der Melodiestimme, sorgsamere Formulierung der Nebenstimmen, und wir hören ein raffiniertes Gewebe statt eines dick instrumentierten Werkes. Alexander Anissimov hat allüberall sehr solide Textarbeit geleistet, das Ergebnis ist vorzüglich.

Matthias Kornemann, 28.06.2001



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