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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzert Nr. 3

Lang Lang, St. Petersburger Philharmoniker, Yuri Temirkanov

Telarc/In-Akustik CD-80582
(72 Min., 8/2001) 1 CD

Vor großen Auditorien gelten andere dramaturgische Regeln als im Studio. Eine Royal Albert Hall, wo dieser Mitschnitt entstand, fordert ein gewisses pianistisches "overacting" ein. Hört man die Aufnahme, mögen manche Gesten zu groß sein, etwa der gestaute Eingang der Kadenz im ersten Satz. Ähnlich einer zu dicht abgefilmten Theateraufführung.
Dem jungen chinesischen Pianisten Lang Lang gelingt eine souveräne, noch den letzten Winkel seines dichten Parts ausleuchtende Vorstellung. Doch das genügt ihm nicht. Nicht bloß vollendet deutlich will er bleiben, sondern all den herausgehörten kontrapunktischen Wendungen die Schubkraft einer bühnenwirksamen Geste mitgeben. Manche motivische Trouvaille spielt er für die Galerie.
Von nahem betrachtet, biegt sich gerade der Solopart des zweiten, ohnehin formal gelockerten Variationsatzes unter der Last "bedeutungsvoller" Stimmen. All die Bezüge zum ersten Satz, die sich in den Gegenstimmen verdichten, sie gleichen kleingedruckten Anmerkungen, über deren Fülle der Text irgendeiner gelehrten, aber auch etwas launischen Abhandlung etwas mühsam hinwegfließt. Manchmal, besonders in den Variationen II und III stören mitgelesene "Anmerkungen" die Entwicklung der Variationsreihe ein wenig.
Das "Überlesen" fällt Lang noch schwer. Gerät das Finale vielleicht ausgewogener, ja poetischer, weil es weniger mit gelehrtem Kontrapunkt befrachtet ist? Lang erarbeitet sich seinen Triumph ohne einen billigen Effekt und ist dann so souverän, die Vivace-Schlussattacke tatsächlich im notierten Piano zu beginnen. Wer so selbstlos ist, verdient den Jubel. Das Konzert hat noch auf der Galerie so dicht, so schwer geklungen, wie es auch ist, analysiert man es. Vielleicht aber gelingt es diesem begabten Pianisten in zehn Jahren, es ein wenig leichter wirken zu lassen.

Matthias Kornemann, 16.05.2002



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