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Sergei Rachmaninow, Sergei Prokofjew

Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30, Klavierkonzert Nr. 3 C-Dur op. 26

Mikhail Pletnev, Russisches Nationalorchester, Mstislaw Rostropowitsch

DG/Universal 471 576-2
(71 Min., 9/2002) 1 CD

Lassen sich zwei Schlachtrösser der klassischen, russischen Moderne tatsächlich noch neu satteln? Zumal es an entsprechenden Referenz-Einspielungen keinen Mangel gibt. Das Aufeinandertreffen von zwei eigentlich nicht zusammenpassenden Charakterköpfen jedenfalls sorgt jetzt für einen unerwarteten Sturm in den beiden Klavierkonzerten Nr.3 von Rachmaninow und Prokofjew. Wobei sich glücklicherweise der ansonsten eher betuliche Dirigent Rostropowitsch von dem Feuer und dem Strukturwillen Mikhail Pletnevs anstacheln ließ. Von den ewigen, oftmals klangopulenten Verschleppungstendenzen ist Rachmaninow befreit. Und bei Prokofjew funkt und funkelt es auch da, wo gestalterische Hintergründigkeit sich an die Stelle puren Virtuosentums setzen kann.
Es ist diese typische Balance aus Freiheit und Strenge, mit der Pletnev einmal mehr längst Bekanntem ein geradezu unbekanntes Rückgrat einzieht. Mit einem Anschlagsreichtum aus transparenter Artikulation und besonders mit der ernsthaften Durchdringung von bislang lediglich als atmosphärisches Beiwerk behandelten Figuren. Pletnev zeigt sich hier von nachdenkender Spiellust, der allen Klischees ohne Kraftanstrengung und manieristische Attitüde widerspricht. Davon profitiert auch Rostropowitsch. Immerhin hat er mit dem Russischen Nationalorchester einen Klangkörper, der mit der Ästhetik Pletnevs bestens vertraut ist. Plötzlich werden Seiten- und Solo-Stimmen hörbar, von denen man bisher nichts wusste, wird eine Hochspannung aufgebaut, die den Atem stocken lässt.

05.04.2003



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