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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Sergei Rachmaninow

Sinfonie Nr. 2

Budapest Festival Orchestra, Iván Fischer

Channel Classics/harmonia mundi CCS SA 21604
(64 Min., 10/2003) 1 CD

Man schließe die Augen und stelle sich vor: die Wolga, größter Wasserstrom Europas, wie dieser Fluss seinen Weg nimmt, von den Waldai-Höhen im Norden, hinab in den Süden, bis er südlich von Astrachan ins Kaspische Meer mündet, nach einer Reise von mehr als dreitausend Kilometern quer durch Russland. Eine Reise ist es durch Landschaften, vorbei an Berg, an Tal, vorbei an Begebenheiten, Genrebildern, Menschenbildern. Man schließe die Augen und stelle sich das vor, während aus den Lautsprechern die zweite Sinfonie von Sergej Rachmaninow heraus schwimmt, hinein in die Gedankenwelt des Hörers, hinein aber auch in seine Gefühlswelt. Das ist unvermeidlich bei dieser Musik.
Gleichwohl, der Vorwurf, sie sei kitschig, ist entkräftet durch die vorliegende Aufnahme. Iván Fischer geleitet sein Budapest Festival Orchestra mit eleganter, der Sache (und nicht ihrem Affekt oder gar Effekt) dienenden Hand. Basis seiner schlüssigen (vielleicht eine Spur zu sanften) Interpretation ist die Idee, dass Rachmaninow in seiner zweiten Sinfonie der ewigen Melodie ein Denkmal setzte; zumal das "Adagio" ist ein einziger Gesang über die Wehmut. Aber einer, das zeigt Fischer, der beseelt und zugleich gedankentief ist. Diese Viertelstunde allein lohnt das Anhören; so viel Wärme im Klang, so viel harmonisches Ineinandergleiten ist in der Tat selten. Und für all jene Adornianer, die beim Namen Rachmaninow (vor allem beim Sinfoniker) milde das Haupt schütteln, sei gesagt: Musik ist nicht wertvoll, weil sie einer bestimmten Ästhetik folgt. Musik ist dann wertvoll, wenn sie, über die strukturelle Stringenz hinweg, etwas zum Ausdruck bringt. Und eben das geschieht hier auf wundersame Weise.

Jürgen Otten, 28.08.2004



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