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Johann Sebastian Bach

Sechs Suiten für Violoncello solo

Daniel Müller-Schott

Glissando/G & H 779 024-2
(134 Min., 08/2000) 2 CDs

Es gibt große Interpreten, deren schiere Ausdruckskraft und Virtuosität fesseln - auch wenn ihr Ton, ihr Timbre dem Ohr nicht schmeicheln. Deshalb sollte es auch mal erwähnt werden, wenn ein Cello so angenehm klingt, so sonor und doch licht, so tänzerisch und dennoch uneitel, wie hier: Daniel Müller-Schott, dieser gerade mal vierundzwanzigjährige deutsche Künstler, gibt nicht etwa zu großen Hoffnungen Anlass - er ist schon ganz da.
Ich kenne kaum eine Gesamtaufnahme der sechs Bach-Suiten, die so unaufwendig elegant und tiefsinnig zugleich wäre. Quellenstudium befeuert sie, ebenso wie ein quasi-improvisatorischer Zug sie personalisiert. Auch legt Müller-Schott in seinem Spiel die roten Fäden bloß, welche sich durch diese Zyklen ziehen; er geht darin nicht ganz so weit wie einer seiner Lehrer, Steven Isserlis, der eine Suite gern in einem Zug durchspielt, ohne Pausen, wie einen einzigen Satz subtil variierter Charaktere. Aber Müller-Schott spannt über jede einen großen Bogen - oder besser: er findet denselben, denn Bach hat ihn ja konzipiert. Nur übersehen das die meisten Cellisten.
Eine vorbildliche Edition, komplett mit klugen Notizen des Interpreten im Beiheft. Und selbstverständlich gilt das Lob des "angenehmen Celloklangs" auch der Aufnahmetechnik: Natürlicher geht’s gar nicht!

Thomas Rübenacker, 01.12.1999



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