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Mare Nostrum

Paolo Fresu, Richard Galliano, Jan Lundgren

Act/edel contraire 9466-2
(63 Min., 1/2007) 1 CD

"Nomen est omen", so ließ sich bildungsbeflissen konternd der Inhalt dieser ungewöhnlichen CD verkürzt beschreiben, schließlich wählt nicht ungestraft ein klassisches Zitat zum Titel, wer dessen Aussage nicht wirklicht meint. Die alten Römer bezeichneten mit "mare nostrum" das Mittelmeer als ihr eigenes Meer. Dem sardischen Trompeter Paolo Fresu und dem französische Akkordeonist Richard Galliano dürfte bei diesem Titel sicherlich jegliches imperialistisches Gehabe, das bei diesem Titel ursprünglich mitschwingt, fern liegen, schließlich nennt der dritte Musiker in ihrem Bunde, der schwedische Pianist Jan Lundgren, mit der Ostsee ein ganz anderes Meer sein eigen. Was dieses Trio aber in der Tat beschwört, ist ein nur in der Musik real-fiktiv zu erzeugendes panmediterranes Meer im Sinne des "folklore imaginaire". So wird dieses universale mediterrane Flair musikalisch vorstellbar: Die melancholisch entrückte Melodieseligkeit der Trompete, die viel von Miles Davis und Enrico Rava weiß, lässt sich bezirzen von dem immer wieder aufjubelnden Überschwang des Akkordeons, das mal galanten Esprit zündet und dann wieder romantisch schmachtet, und das Klavier beschützt und befördert diese intime Begegnung, indem es stets für das förderliche Ambiente sorgt und das Licht mit seiner Tönung und Temperatur auf das Interagieren genau abstimmt. Ein Schelm also, wer Böses bei dem Titel denkt, auch wenn sich schließlich die Kraft der Musik doch als eine imperialistische, das Gemüt erobernde erweist.

Thomas Fitterling, 11.08.2007



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