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The Dark Side Of The Moon

Pink Floyd

Eagle Vision/Edel EREDV 329
(84 Min., 2003) 1 DVD

Das Album "The Dark Side Of The Moon" zählt zu den Meilensteinen der Popgeschichte. Die von der Band "Pink Floyd" produzierte Dokumentation gibt faszinierende Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Albums, das - so der im Film zitierte britische Rockjournalist Nigel Williamson - den Moment verkörpert, in dem "sich die Underground-Musik, der progressive Rock in den Mainstream verwandelte." In der Dokumentation erinnern sich die Pink-Floyd-Mitglieder David Gilmour, Richard Wright, Roger Waters und Nick Mason, wie sie das epochale Album aufnahmen und mischten. Sie spielen Soli nach, sie entmystifizieren den kreativen Prozess, sie zeigen, was an Handwerk und Studiotechnik hinter dem epochalen Album steckt. So stellt der Keyboarder Richard Wright eine Harmonieverbindung aus Miles Davis‘ Album "Kind of Blue" und zeigt, wie sie den Charakter von "Breathe" ausmacht, und David Gilmour spielt einzelne Passagen nach, die durch geschickte Schnitte in die Stücke aus der originalen Platte übergehen. Zwischendurch erklärt Alan Parsons am Pult diverse Effekte und Richard Wright demonstriert an einem der ersten Sequencer, wie vordigitale Loops entstanden. Selbst die Mischpulte waren noch nicht automatisiert, so dass die Bandmitglieder an den Reglern aushelfen mussten und Bandmaschinen mit Zuspielgeräuschen nach Handzeichen und unter Zuhilfenahme von Stoppuhren gestartet werden mussten. Ein Bonus-Track verdeutlicht dies an Hand der Originalbänder von "Money". Diese Passagen lassen den Pioniergeist und die Neugier jener Jahre nachvollziehen. Als sie über den Titel "Us And Them" reden, ist in einer kurzen Texteinblendung der originale Text zu lesen, dass die Generäle "aus dem Hintergrund kommandieren, während die Soldaten an der Front sterben". Solche Sätze besaßen einst gesellschaftspolitische Sprengkraft und trennten zwischen aufbegehrender Jugend und Establishment. Die Dokumentation klammert weitgehend aus, dass eine Jugendbewegung, die sich gegen alte Autoritäten stemmte und nach neuen Lebensformen suchte, in Bands wie "Pink Floyd" Identifikationsmodelle sah. "Wir hatten ein gemeinsames Ziel: Wir wollten reich und berühmt werden", erklärt Roger Waters andererseits, was die Band zusammen hielt, und erinnert sich daran, dass er seine sozialistischen Ideale beim Investieren des verdienten Gelds in Frage stellen musste. Mehr ist von einer Band, die sich selbst darstellt, nicht zu erwarten. Die Reflexion darüber, wie eine Jugendbewegung ins Herz der Gesellschaft integriert wurde, könnte nur eine außerhalb stehende, unabhängige Produktionsfirma leisten.

Werner Stiefele, 15.11.2003



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