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Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen

Murray Perahia

Sony SK 89243
(73 Min., 07/2000) 1 CD

Murray Perahia ist der feinsinnigste Pianist unserer Zeit. In seinen bedächtig-kultivierten Deutungen stört kein hässlicher Klavierton, den natürlich fließenden Atem seines Spiels verzerrt kein erregter Affekt. Es ist eine leise, uneitle Kunst, die unser gespanntes Zuhören einfordert.
Perahia nutzt die sämtlich gespielten Wiederholungen für teilweise raffinierte Variantenbildung, ersinnt mit neugieriger Spiellust gleichsam die Variation der Variation. Das schon in Variation 2 erprobte Modell wird zum Muster: Die Wiederholung ist dynamisch entschieden zurückgenommen, erhält aber durch abweichende, oft bereicherte Auszierung ein eigenes Gesicht. Doch oft agiert Perahia kühner bei der Befragung des Satzes: In der Variation 8 hebt er zuerst nur die Unterstimme heraus und lässt die Sechzehntel-Figuren der Rechten völlig zurücktreten, in der Wiederholung aber macht er es genau umgekehrt. Nun regiert die Sechzehntel-Bewegung.
Und so geht es mit beachtlicher Fantasie in nahezu jeder Variation. Dieses Erproben von Stimmgewichtungen wirkt bei allem lebendigen Wechsel der Beleuchtung manchmal etwas laborierend-unentschieden. Es ist Perahias samtpfötige Klangkultur, die mögliche Irritationen über diesen experimentellen Zug souverän abfedert. Wie gesagt, hier gibt es keinen unschönen Ton. Doch in der Adagio-Variation 25, dem inneren Höhepunkt des Werkes, wirkt dem Hörer dieser Bezirk pointiert-zarter Tüftelei zu eng. Ich war enttäuscht, dass Perahia, der Poet, die Seufzer dieses an die Dichte der Passionsmusiken reichenden Klagegesangs über den ruhig ausschreitenden Bässen doch etwas zu unbewegt zelebriert. Es fehlt der bohrend schmerzvolle Zug, den uns Interpreten wie Richter, Gould oder die Judina vorzuführen vermögen.

Matthias Kornemann, 01.12.1999



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