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Playful Virtuosity

Meral Guneyman, Dick Hyman

Rykodisc 38445312
(59 Min.) 1 CD

Die Pianistin Meral Guneyman verfügt über eine brillante Technik. Kein Wunder: Im Hauptfach zählt sie zu den führenden türkischen Klassikpianistinnen mit einem Repertoire, das von Sergei Rachmaninow über César Franck, Edvard Grieg, Robert Schumann, Ludwig van Beethoven und viele andere bis zu George Gershwin und Béla Bartók reicht. Nebenbei jazzt sie ein wenig – ebenso wie in ihrem klassischen Repertoire eher im Mainstream. So beginnt das Album "Playful Virtuosity" mit sieben Bearbeitungen von Gershwinthemen. Die Arrangements umgarnen die originalen Melodien mit üppigem Zierrat und pianistischen Raffinessen, so dass der Obertitel "Seven Virtuoso Etudes And Improvisations" zumindest in seiner ersten Hälfte korrekt ist. Dass Meral Guneyman tatsächlich Raum für größere Improvisationen hat, erscheint bei der Dichte des Spiels unwahrscheinlich. Der nächste Block, "Indiana Variations" überschrieben, bietet unter Verwendung von Elementen aus der Stride-Ära bis zum Postbebop-Mainstream eher Raum für spontane Einfälle. Mit "Django" hat Meral Guneyman eine distinguierte Hommage an das Modern Jazz Quartet im Repertoire, in der sich auch John Lewis Interesse an strengen, als klassisch empfundenen Formen spiegelt. Mit Dick Hyman, dem großen alten Mann des Stride Piano, spielt sie zum Abschluss "Three Raps For Two Pianos" – das Highlight der Disc. Da Hyman auf die historischen Stridefiguren verzichtet, kommt ein packendes, wellenartig aufgebautes Duett zustande. Wer hofft, eine neue Jazzpianistin zu entdecken, wird von der Produktion enttäuscht. Das ist Meral Guneyman nicht. Wer ein semiklassisches Pianofeuerwerk über amerikanische Themen hören möchte, wird dagegen sehr gut bedient.

Werner Stiefele, 11.08.2007



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