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Music For 2 Pianos

Friedrich Gulda, Joe Zawinul

Capriccio/Delta Music 67175
(41 Min., 5/1988) 1 CD

"Ich begrüße mit besonderer Freude Josef Zawinul meinen alten Spezi", sagt Friedrich Gulda. "Und wir sind in Wien aus dem gleichen musikalischen Mutterboden entsprungen ..." Nun würden sie in ihre gemeinsame musikalische Vergangenheit hinein steigen. Johannes Brahms' Variationen über ein Thema von Joseph Haydn, op. 56b zählt dazu, wobei sie mit dem Werk so frei umgehen, dass einer der beiden gleich mal an den Saiten reiben darf. Vergnügt spielen sie sich durch das Werk, mit dramatischem Schmackes und verschmitzter Melodienseligkeit. Denn beide, der begnadete Mozartinterpret Gulda und der Weltklasse-Jazzer, sind Wiener Buben, die in ihrer Jugend in den Kaffeehäusern aufspielten und zeitlebens verfolgten, was der andere so trieb. In Interviews erzählt Zawinul gerne, wie wichtig ihm das Lob Guldas sei, und Gulda jazzte gerne und komponierte frühe Crossover-Stücke für Jazzband und Orchester. Seine "Variations for 2 Pianos and Band" sind für eine etwas kleinere, streicherfreie Besetzung geschrieben. Die WDR Bigband unter Jerry van Rooyen spielt souverän und hat hörbar mindestens so viel Freude an den knackigen Tutti wie die beiden Pianisten an den Soloparts. Der Jazz scheint ihnen eher zu liegen, denn hier erreichen sie eine höhere Dichte und Intensität als bei den Brahmsvariationen. Mit einem donnernden "Volcano for Hire" - einem Klassiker von Zawinulas Band "Weather Report" in der Bearbeitung für zwei Flügel geht die an zwei Konzertabenden mitgeschnittene Begegnung der beiden Erzmusikanten zu Ende. Es ist schön, dass es immer wieder Leute gibt, die die Genregrenzen lustvoll überwinden.

Werner Stiefele, 11.08.2006



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