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Franz Schubert

Mayrhofer-Lieder, Folge 1

Cornelius Hauptmann, Stefan Laux

Naxos 8.554738
(65 Min., 6/1999) 1 CD

Ein Jahrzehnt waren sie Freunde und bildeten zwei Jahre lang sogar eine WG: der junge Schubert und der neun Jahre ältere Johann Mayrhofer. Die Wahlverwandtschaft beider war bis zur seltsamen, von Schubert programmatisch 1824 vertonten "Auflösung" eine intime, spricht doch aus vielen Mayrhofer-Werken ein Schubert zutiefst ansprechender Ernst, eine melancholische Tiefe, ja Depression (die den Lyriker 1836 in den Selbstmord trieb).
Unter diesem "saturnalischen" Vorzeichen stehen denn auch gut die Hälfte der nun von Cornelius Hauptmann und Stefan Laux eingespielten ersten Lieferung der Mayrhofer-Vertonungen (innerhalb der nach Dichtern und Themen gegliederten Schubert-Lied-Edition von Naxos). In diesem Sektor, besonders den Antiken-Gesängen, die bei Mayrhofer/Schubert keine harmonisch-helle "Klassizität" , sondern mythisch-geheimnisvolle Züge tragen, besitzt Hauptmanns vibratoreiche, profunde Bass-Stimme ein adäquates, dunkel timbriertes Ausdrucksfeld.
Die andere Hälfte offenbart die interpretatorische Kehrseite: So stören allzu oft (etwa beim naturalistischen "Alpenjäger") die Kämpfe, die Hauptmann in den höheren Registern austragen muss: hier wird gedrückt, der Ton wird flach. Sein Verdienst einer lebendigen Textdeklamation kann da nicht über die insgesamt wenig differenzierte Ausdruckspalette hinwegtäuschen. Dies gilt auch für Stefan Laux' Begleitung: sie ist zwar im Vergleich zu seiner CD mit Goethe-Liedern (siehe Kritik) schärfer konturiert, aber noch bei weitem nicht dynamisch ausgefeilt genug, wie ein Vergleich mit Hartmut Hölls (leider im Sande verlaufener) "Lied-Opera"-Edition bei Capriccio zeigt. Gerade der Klavierbegleitung zuliebe sollten die Naxos-Tonmeister endlich ihre Höhenregler auf- und ihre Hallregler zudrehen.

Christoph Braun, 04.05.2000



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