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Franz Schubert

Sonate G-Dur D 894, Sonate E-Dur D 157 u.a.

Arcadi Volodos

Sony SK 89647
(64 Min., 7/2001) 1 CD

Es bestand durchaus die Befürchtung, dass er sich mit seinen Händen selber ein Bein gestellt hat. Denn über allem, was aus dem Hause Volodos kommt, prankt sofort die Leuchtschrift "Super-Virtuose" oder gar "Pianist des Jahrhunderts". Doch ob Volodos die Luft nicht nur für die phänomenal bewältigte Kurz- und Mittelstrecke, sondern auch für die lange Distanz besitzt, das musste endlich einmal geklärt werden.
Den Beweis tritt Volodos nun ausgerechnet mit der großen G-Dur-Sonate von Schubert an, die in ihrem Zwitterwesen aus Fantasie und klassischer Sonaten-Architektonik, aus thematisch selbstbewussten Kontrastwirkungen und lyrischen Verästelungen ganz andere Hebefiguren beschwört. Und Volodos nimmt diese mit gewohnt manueller Souveränität, ohne sich in jene Grenzbereiche des Manischen, des hintergründig Verstörenden locken zu lassen, in die es gerade einen Swjatoslaw Richter zog.
Stattdessen überrascht und besticht Volodos gleichermaßen mit einer kontrollierten Sensibilität, die in der dramaturgischen Umsetzung nicht in Momenten verharrt. Den konzertanten Ton, den Volodos noch in dem frühen Sonaten-Fragment D 157 zum unbekümmerten Leuchten gebracht hat, spannt er nun zwischen die sich verschiebenden Zusammenhänge aus akkordischem Pochen und naiv Heiterem. Diese klarsichtige Balance erreicht ihren Höhepunkt besonders in dem "Andante", das fast wie "reingewaschen" klingt.
Volodos kämpft hier nicht mit den Gedärmen Schuberts und des Instrumentes: er befreit die Nerven- und Blutbahnen von jeglicher Interpretationsschwere und umgeht doch das Beiläufige. Das ist ein Schubert, der bei aller nuancierten Finesse und dem Sinn für Proportionen stets von einer selbstverständlichen Präsenz ist. Wer hätte gedacht, dass Volodos mit Schubert seine eigentliche Meisterprüfung abgelegen würde?

Guido Fischer, 24.01.2002



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