Responsive image
Franz Schubert

Tänze

Michael Endres

Capriccio/Delta 49 242
(1/1997, 6/1997, 7/1997) 5 CDs

Das vielleicht Erstaunlichste an Franz Schuberts Unterhaltungsmusiken ist: Man erkennt sie oft sofort als Schubert-Stücke, so klein und unscheinbar sie auch sein mögen. Das zeugt nicht zuletzt von der gestalterischen Kraft des Komponisten, die eben auch noch kleine Details auszeichnet. Und je mehr von diesem persönlichen Charakter die Tänze von Schubert mitbekommen haben, desto interessanter, einfalls- und abwechslungsreicher wirken sie heute.
Die geradezu ausufernde Zahl von 400 Tänzen, eine Gesamtaufnahme dieses Genres, liegt hier in einer Box mit fünf CDs vor, Menuette und Walzer natürlich, Deutsche Tänze und Ecossaisen bilden den größten Anteil. Die Zusammenstellung der Stücke ist weder nach Form, was sicher bald eintönig würde, noch nach Entstehungsdatum erfolgt, was vielleicht etwas zu pedantisch wäre.
Michael Endres, der 1961 geborene Pianist dieser Aufnahmen, ist mit zahlreichen Schubert-Aufführungen in Erscheinung getreten. Und er geht die Sache feinsinnig an. Manche Stücke sind unter seinen Händen nur zarte, zerbrechliche Gespinste mit nostalgischer Wiener Patina. Sanft schwingend führt uns ein ums andere Stück in eine Schubertiade ein.
Nach einiger Zeit stellt sich jedoch der Eindruck einer gewissen Ermüdung ein. Ist es die Überfülle des Materials, vor dem Zuhörer und Interpret kapitulieren müssen? Auf jeden Fall wünscht man sich an den akkordisch gestalteten Forte-Passagen weniger Holzigkeit, allgemein vermisse ich mehr Vielfalt beim Anschlag, denn alles bewegt sich auf einer zu nivellierten, mittleren Ebene.
Die kleinen Rubati sind meist gut und sparsam gewählt, doch auch hier ließen sich an einigen herausragenden Stellen Akzente setzen, die den Fluss der Drei- und Zweivierteltakte angenehm aufbrechen würden. Auch wenn bei Endres einige Stellen ausgesprochen delikat klingen, so zwei Ländlerfragmente D 980, so fehlen einfach gelegentliche Kontraste, die viele Stücke noch hätten beseelen können.

Matthias Reisner, 20.06.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gab es einen größeren Goethe-Verehrer unter den Komponisten als Ludwig van Beethoven? Den Poeten lernte Beethoven 1812 kennen, da hatte er sich von dessen Werken schon längst zu eigenen Kompositionen inspirieren lassen, vor allem zu einer ausgedehnten Bühnenmusik zum Trauerspiel „Egmont“. Eine geniale Mischung aus Poesie bzw. poetischer Andeutung und musikalischer Ausgestaltung, aus Worten und Klang. Diese Musik habe er „bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben“, meinte Beethoven in […] mehr »


Top