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Franz Schubert

Divertissement à la hongroise g-Moll op. 54, Variationen über ein Original-Thema op. 35, Fantasie f-Moll op. 103

Alexandre Tharaud, Zhu Xiao-Mei

helikon harmonia mundi HMC 901773
(57 Min.) 1 CD

Für den Rezensenten gehört diese Einspielung zu jenen, an die man mit dem Willen herangeht, den agierenden Musiker in einer immer enger werdenden Zeit ein wenig "zur Seite zu stehen" - und mit zunehmendem Hören immer weiter von der eigenen positiven Voreingenommenheit abrückt.
Zu den Positiva: schöner Klavierklang, Sorgfalt in Diktion und Zusammenspiel - im Badischen würde man sagen: und dann zieht's sich! Über 57 Minuten hinweg warte ich auf Agogik, Erzählqualitäten, kulminatives Geschehen, Konturierung, weg von einförmiger Ereignislosigkeit.
Ich habe die Niederschrift dieser Zeilen lange hinausgeschoben. Vielleicht habe ich auf ein Dennoch-überzeugt-werden gewartet. Der Zufall will es, dass das Quasar-Quartett in meinem Einzugsgebiet einen reinen Schubert-Abend gab und dabei eine unglaublich intensive, und - lange vom "Schwammerl-Bild" verdeckte - dramatisch-komplexe Musik frei legte.
Arthur Schnabel hat vor rund 70 Jahren begonnen, Schuberts Klavierwerke aus Beethovens Schatten und der tradierten Versüßlichung heraus zu holen. Seine Einspielungen - zusammen mit seinem Sohn Karl Ulrich - aus dem Jahre 1937 zeigen ein umgekehrtes Verhältnis von "richtigen Noten zu richtiger Musik" als Tharaud/Xiao-Mei.

Wolfgang Wendel, 02.03.2003



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