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Franz Schubert

Sonatinen für Violine und Klavier

David Grimal, Valery Afanassiev

aeon/helikon harmonie mundi CD 0317
(65 Min., 4/2003) 1 CD

Es war ruhig geworden um den Mann mit den Krakenhänden. Fast schien es, als habe sich Valery Afanassiev, der große russische Klaviermystiker, von der Musikwelt verabschiedet. Was stimmt und auch nicht. Denn Afanassiev wandelt seit Jahren auf gleich mehreren Pfaden: Er dichtet (neun Romane, dreizehn Gedichtbände, zwei Novellenbände zeugen von einer unbändigen Schaffenskraft), er sucht zunehmend die Herausforderung als Dirigent aus dem Geiste Furtwänglers, Mengelbergs, Knappertsbuschs und Klemperers, und er spielt natürlich weiterhin Klavier. Nur ins Aufnahmestudio zog es den Wahlfranzosen mit Wohnsitz Versailles kaum mehr.
Umso überraschender mutet die Tatsache an, dass Afanassiev sich nun als Duopartner des französischen Geigers David Grimal hervorgetan hat. Und nicht Beethoven, Brahms oder Mozart waren die Auserwählten, sondern die intimen, vorgeblich schlichten Sonatinen von Franz Schubert. Herausgekommen ist eine bemerkenswerte Aufnahme. Grimal und Afanassiev verzichten auf jedweden romantischen Gestus, musizieren fast mit Bremse und beethovenscher Klarheit. Kaum je leuchtet dieser Schubert, und nur ganz selten schwingt er sich auf. Der Tonfall der Sonatinen ist harsch, jedenfalls trocken, bei Grimal fast vibrato- bei Afanassiev fast pedallos. Die Begründung für diesen Ansatz findet sich im Booklet: Schiller. "Durch bewegter Schatten Spiele / Zittert Lunas Zauberschein / Und durchs Auge schleicht die Kühle / Sänftigend ins Herz hinein." Vielleicht eine Spur zu kühl.

Tom Persich, 17.01.2004



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