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Franz Schubert, Robert Schumann

Werke für Violoncello und Klavier

Peter Bruns, Roglit Ishay

Hänssler/Naxos 98.464
(76 Min., 6/2003) 1 CD

Der interessanteste Programmpunkt auf dieser CD ist ein Sakrileg, denn wie kann man sich nur daranmachen und ein Stück von Bach "verbessern" wollen? Nun, ganz so einfach ist die Sache freilich nicht, und das Arrangement der Suite für Cello solo in C-Dur BWV 1009, angefertigt im Jahre 1853 von Robert Schumann, also ganz am Ende seines Lebens, ist wohl eher als Erklärung denn als Verbesserung oder Arrangement aufzufassen. Man muss sich vor Augen halten, dass das Publikum die manchmal spröde Bach'sche Melodik und Kontrapunktik zu dieser Zeit schon nicht mehr zu hören gewohnt war. Schumanns Absicht war es schließlich auch, Bach seinen Zeitgenossen näher zu bringen, und so beschränkt sich seine Bearbeitung auch weitgehend darauf, die Harmonien auszusetzen, die die israelische Pianistin Roglit Ishay in dieser Aufnahme mit sanft hingetupften Akkorden darzustellen weiß, so dass das Ursprüngliche, sprich Bach'sche doch in seiner Kraft und seinem Ausdruck erhalten bleibt. Nur an wenigen Stellen gibt Schumann dem Klavier eine etwas aktivere Rolle ohne der Versuchung zu erliegen, selbst kontrapunktisch zu arbeiten.
Mit einer pointierten Interpretation der "Arpeggione-Sonate" von Schubert eröffnen die beiden Musiker diese rundum gelungene CD. Auch die übrigen Stücke, die Peter Bruns und Roglit Ishay ausgewählt haben, sind Bearbeitungen oder liegen - im Falle Schumanns ist das wesentlich korrekter formuliert - auch in anderen Instrumentationen vor, denn schließlich war es Schumann selbst, der die "Fantasiestücke" Op. 73, die "Fünf Stücke im Volkston" Op. 102 sowie das Adagio und Allegro Op. 70 mit experimentierfreudigem Geist in verschiedenen Instrumentationen ausprobiert hat. Dass das Cello in diesen Aufnahmen gegenüber dem Klavier etwas dominiert, ist nicht unbedingt beabsichtigt. Ishay schreibt über ihre Entscheidung, einen 100 Jahre alten Bechstein-Flügel zu verwenden: "Dem Cello wird mehr Raum zur Entfaltung verschiedener Farben und Dynamiken eingeräumt. Durch die entstehende größere Klarheit verschmelzen die Instrumente zu einem." Die Aufnahmen bekommen in der Tat einen sanglich-romantischen und gegenüber konventionellem Instrumentarium sehr viel individuelleren Grundton, und Bruns’ Cellospiel wirkt besonders lebendig und präsent.

Matthias Reisner, 21.02.2004



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