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Franz Schubert

Arpeggione-Sonate, Sonatine D 384 u.a.

Jean-Guihen Queyras, Alexandre Tharaud

harmonia mundi HMC 901930
(56 Min., 1/2006) 1 CD

Bei Cellisten scheint Schuberts Arpeggione-Sonate derzeit wenig populär zu sein: Kein Wunder, denn während die Sonaten Beethovens reichlich Gelegenheiten bieten, sich an der Verarbeitung des musikalischen Materials abzurackern, gibt Schuberts Opus in seiner scheinbar schwerelosen Melodienseligkeit wenig Gelegenheit, aus dialogischem Musizieren Funken zu schlagen. Für den Cellisten Jean-Guihen Queyras und seinen Klavierpartner Alexandre Tharaud ist das einst für einen erfolglosen Kreuzungsversuch aus Cello und Gitarre geschriebene Werk freilich eine Herzensangelegenheit: Mit stupendem Feingefühl machen die beiden Franzosen hörbar, dass auch hier tiefe Schubert’sche Melancholie direkt unter der Oberfläche sitzt - so hinreißend schön Queyras’ Celloton auch ist, enthält er doch immer auch genug emotionale Schwebstoffe, die ein Umkippen der Musik ins Tragische jederzeit möglich scheinen lassen. Tharaud und Queyras gehen rasch zur Sache, brauchen beispielsweise für den Kopfsatz zwei Minuten weniger als einst Rostropowitsch und Britten in ihrer Referenzaufnahme: Das verdeutlicht einerseits die klare Aufgabenteilung zwischen dem für den klassischen Rahmen zuständigen Klavier und dem Cello, lässt zugleich aber auch jene Momente umso klarer hervortreten, in denen, wie am Ende des Kopfsatzes, die Bewegung ins Stocken gerät und die Musik selbst keinen Ausweg mehr weiß. Die programmatische Verknüpfung mit Schuberts - hier mit sechs Transkriptionen vertretenem - Liedschaffen, aber auch mit gleichfalls die Leere erkundenden Duostücken von Berg und Webern ist hier nicht nur theoretisches Konzept, sondern wird auch musikalisch bezwingend eingelöst.

Jörg Königsdorf, 13.10.2006



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