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Franz Schubert

Werke für Fortepiano, Vol 1

Jan Vermeulen

etcetera KTC 1330
(132 Min., 7/2006) 2 CDs

Für alle Hammerflügel-Enthusiasten war der Fund eine kleine Sensation: Auf dem Dachboden eines belgischen Landsitzes wurde im Mai 1998 ein noch weitgehend intakter Wiener Hammerflügel von 1826 aus der Werkstatt der berühmten Klavierbauerin Nannette Streicher entdeckt. Ein Instrument mithin, wie es einst Schubert in den Wiener Salons zur Verfügung hatte. Näher dran geht vermutlich nicht, und tatsächlich unterscheidet sich der Klang des Streicherinstruments stark von dem Fritz-Fortepiano, das beispielsweise Andreas Staier für seine maßgebliche Einspielung der c-moll- und A-Dur-Sonaten nutzte: Im Diskant relativ obertonarm, im Bass leicht, mit relativ kurzer Tongebung beschwört das Streicherpiano eine intime, etwas steife Salonatmosphäre – richtig laut kann man auf diesem Instrument vermutlich gar nicht werden. Der trockene Klang passt gut zum Spiel des belgischen Hammerflügelspezialisten Jan Vermeulen. Metrisch zuverlässiger und präziser als Paul Badura-Skoda in seiner Gesamtaufnahme, weniger orchestral und expressiv als Staier, bietet Vermeulen einen klassisch-strengen Schubert, der selbst in den Ausbrüchen der c-moll- und A-Dur-Sonaten noch Maß und Konzilianz bewahrt. Seine Schwächen hat dieses etwas spröde Schubertbild dort, wo ein gesanglicher Ton nötig wäre; auftrumpfen kann das Team Streicher/Vermeulen überall dort, wo es lakonisch wird: Im Andantino der A-Dur-Sonate beispielsweise, das eine geradezu gespenstische Starre gewinnt, oder in den beiden Scherzi D 593, in denen ein eckig-altväterlicher, ans Parodistische grenzender Charme überrascht.

Jörg Königsdorf, 09.06.2007



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