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Franz Schubert

Sinfonie Nr. 8 C-Dur D. 944

Bamberger Symphoniker, Jonathan Nott

Tudor/Naxos TUD 7144
(62 Min., 9/2006) 1 CD

Vielleicht sollte man die nationalen Klischees ganz außen vor lassen. Aber wie Jonathan Nott, seit sieben Jahren gefeierter Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, die große C-Dur-Sinfonie als Abschluss seines Schubertzyklus’ präsentiert, das motiviert dann doch dazu, von einer typisch deutschen Sicht des Engländers zu sprechen: tiefschürfend, gravitätisch-ernst, gleichzeitig akribisch im Detail. Schubert kämpfte in seiner wahrhaft "großen Sinfonie" einen geradezu existentiellen Kampf um klassische Formgebung und subjektiv-romantischen Ausdruckswillen (und Emanzipation von Beethoven). Nott interessieren daran vor allem die emotionalen Extreme: brachiale Gewaltausbrüche wechseln ab mit Momenten wunderbarer Innigkeit – zu bestaunen vor allem im Andante, in dem auf die Dissonanzenkatharsis und die (von Nott demonstrativ betonte) Generalpause eine betörende, zaudernd-wehmütige Cellokantilene folgt. Überhaupt ist hier eher ein singender Legato- und Klangfarbenzauberer als ein punktgenauer bzw. kantiger Strukturalist am Werk. Notts erstklassige Franken, die einen geschmeidigen, mittelstimmengesättigten Klang pflegen, kommen ihm da entgegen. (Oder ist es umgekehrt?)
Mit dem "Andante" ist die Kehrseite dieser deutsch-englischen Koproduktion angesprochen. Nott kümmert der Zusatz "con moto" kaum, statt einem zügigen Gehen lauscht man einem betulichen Tappen. Schon die hornsolistische Einleitung des Kopfsatzes steht für dieses Manko konventionell langsamer Zeitmaße (da hilft offenbar auch die Neue Schubert-Gesamtausgabe nicht, auf die Nott zurückgegriffen hat). Wie aufregend anders klingt dies bei einem anderen Engländer: bei Norrington und dessen pulsierend vorwärtsdrängenden Schwaben.

Christoph Braun, 07.12.2007



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